Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

Page: 106
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/agshd1868/0122
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
106

davor wolle sein, daß inen ire fgemacht verhalten werden mit
zauberei oder sunst sachen; zum siebenden, das sie wollen rechen mit
allem fleiß das unrecht, das man den Personen duth, die in der sect
sein. Und wen der arme die artickel also geschwert, so kniet er nider
und bett den ketzermeister an und gibt sich ime und kust ine in den
ars, und sie sagen, es sei der deuffel selbs, der uff dem stul sitzt in
eins Menschen wise und gibt ime zins ein glidt von seinem leibe, so
er gestirbt. Darnach so sint die in der geselschaft frolich und freu
wen sich das neuwen gesellen und ketzers und essen, das sie haben,
gebraten und gesodten Kinder. Wen sie gessen haben, so schreit der
Dewffel oder der ketzermeister Meselet Meselet und lescht die liecht
aus, darnach lauffen sie undereinander und vermischen sich fleischlich
nnd der vatter mit der dochter, desgleich bruder mit der schwester re.
und halten nit natürlich ordenung in dem werck. Darnach zünden
sie die liecht wieder an, essen und trinken und wen sie wieder heim
molen geen, werffen sie vor den unflatt irer natur in ein küssen zu-
Darnach sind die Mitglieder der Gesellschaft fröhlich und freuen sich des neuen
Gesellen und Ketzers; sie essen, was sie haben, gebratene und gesottene Kinder.
Wenn sie gegessen haben, so schreit der Teufel oder der Ketzermeister Meselet,
Meselet und löscht die Lichter aus; darnach laufen sie unter einander und ver-
mischen sich fleischlich, und zwar der Vater mit der Tochter, ebenso der Bruder
mit der Schwester u. s. w. und halten die Naturordnung hierin nicht. Darauf
zünden sie die Lichter wieder an, essen und trinken, und wenn sie wieder heim-
gehen wollen, so werfen sie zuvor ihren natürlichen Unflat in einen Kübel zu-
sammen und fragt man sie, warum sie das thun, so antworten sie, sie thäten
es zur Schmach des hl. Sacraments. Ferner, wenn der arme, verführte Mensch
sich dem Teufel hingegeben hat, so gibt ihm der Meister eine Büchse mit Salben,
einen Stab, Besen oder was dazu gehört; auf diesen muß der Verführte in die
Schule gehen; er lehrt ihn, wie er den Stab schmieren soll mit der Salbe. Die
Salbe wird teuflisch gemacht von dem Fett der Kinder, die gebraten und ge-
sotten sind und von andern giftigen Dingen, Schlangen, Eidechsen, Kröten,
Spinnen. Die Salbe brauchen sie auch dazu: wenn sie Jemanden damit einmal
berühren oder bestreichen, so muß derselbe eines bösen Todes sterben und zwar
plötzlich. Ebenso machen sie Pulver aus dem Eingeweide, den Lungen, der
Leber, dem Herz u. s. w-, und wenn es neblig ist, so werfen sie das Pulver in
den Nebel, der es in die Lust hinaufzieht. Diese Luft ist nun vergiftet, so daß
die Leute plötzlich Hinsterben, oder sonst eine ewige (schleichende) Krankheit be-
kommen, und das ist der Grund, daß in etlichen Dörfern die Pest herrscht,
während man in nächster Nähe frisch und gesund sein kann. Ferner, wenn sie
loading ...