Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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aufmerksam liest; wie dieselbe denn überhaupt die Bemerkungen be-
stätigt, welche wir im Eingang dieses Aufsatzes ausgestellt haben.
Bedauern müssen wir nur, daß es uns bis jetzt nicht gelungen
ist, die Oertlichkeiten aufzufinden, wo in Heidelberg die Hexen ver-
brannt wurden und wo die „Angelgrub und Kurnau", der Ver-
sammlungsort der Hexen, lag.

xx.
Mordversuch auf Churfürst Friedrich V.
Die Zeit der Begebenheit, welche der Gegenstand dieses Ab-
schnittes ist, kann zwar nicht genau angegeben werden, aber es sind
Umstände vorhanden, welche sie annähernd wenigstens errathen lassen.
Friedrich V. hatte am 16. August 1614 sein achtzehntes Lebens-
jahr, und damit seine Volljährigkeit erreicht. Sein Vormund und der
Administrator der Pfalz Johann von Zweibrücken übergab ihn: am
selben Tage deßhalb die vollständige Regierung. Das entscheidendste
Ereigniß für sein ganzes Leben, seine Verehelichung mit Elisabeth
Stuart, Tochter des Königs Jacob I. von England, mar schon 1613,
vor dem Antritt der Negierung eingetreten. Diese Verbindung war
der Schlußstein zu dem engen Bunde, den die protestantische Union
in Deutschland mit England schloß. England und Churpsalz waren
die mächtigsten ealvinischen Länder.
So glücklich die Ehe des Chursürsten war, so bereitete sich doch
im Hintergründe ein schweres Unglück rasch vor. Während es in
ganz Europa kein glücklicheres, muntereres und harmloseres Hosleben
gab, als in Heidelberg, zogen verderbendrohend die schwarzen Ge-
witterwolken des dreißigjährigen Krieges heraus, welcher den Chur-
fürsten Friedrich V. und das Wohl seines Landes verschlang. Die
Gemüther befanden sich in einer fieberhaften Aufregung. Der Fana-
tismus begann in Hellen Flammen enrporzust-hlagen. Die Calvinisten
warnten in heftigen Schriften vor den Umtrieben der spanischen und
päpstlichen Parthei; die Katholiken schilderten die Calvinisten nrit gräu-
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