Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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in: Neckar und seine Zerklüftung am Gebirge. Der verwitterte Gra-
nit gibt einen für den Pflanzenwuchs höchst günstigen Boden. Seine
schroffe Abgerissenheit macht seine Parthien romantisch.
Nächst dem Feldspath bildet der Quarz im Granit die größte
Masse; er erscheint rauchgrau und ist selten crrfftallisirt.
Der Glimmer tritt im Granit nur wenig hervor; seine Farbe
ist oft silberweiß, oft aber auch schwarz und Beides neben einander.
Zuweilen findet man zierliche Anhäufungen des blumenblätterigen,
silberweißen Glimmers.
Erst in der neuesten Zeit ist man auf eine eigenthümliche Er-
scheinung im Granit aufmerksam geworden; es sind dies Granit-
gänge im Granit. Nirgends sind solche deutlicher und schöner
wahrzunehmen, als am linken Neckarufer und auf dem Schloß-
berg. Früher war diese Erscheinung auch in der durch Steinbruch-
bau jetzt verstörten Felswand, unfern des „magern Hofes" vor
dem Carlsthor wahrzunehmen. Gegenwärtig zeigen sie sich noch beim
Aufsteigen vom Hausacker nach dem Wolfsbrunnenweg. Der
Hauptpunkt aber ist die Wand an der großen Terrasse des
Schloßbergs hinter dem Pavillon, wo zugleich die größte
Granithöhe auf dein linken Neckarufer ist. Es ist eine Wand von
12 Fuß Höhe und 9 Fuß Breite aus porphprartigem Granit. Da
setzen zahlreiche Gänge eures jüngern, feinkörnigen Granits auf.
Das Ganze bildet ein Gewebe vor: nur wenig von einander ent-
fernten Gängen, die sich auf die manchfnltigste Weise durchsetzen und
verzweigen. Der Ganggranit schließt Bruchstücke und größere Massen
des porphprartigen Granits ein und umklammert diesen. Da der
Ganggranit härter ist und nicht so leicht verwittert als der Gebirgs-
granit, so zieht sich jener durch diesen wie Schnüre hin und wieder,
die auf der Oberfläche hervortreten, während der Gruß des Gebirgs-
granits einein zarten Moose das Dasein fristet.
Es gibt zwei Arten solchen Ganggranits, eine ältere und
eine jüngere. Der ältere ist feinkörnig; Feldspath, Quarz und
Glimmer find meist in gleicher Menge vorhanden; der Glimmer ist
theils silberweiß, theils schwarz. Der jüngere ist sehr grobkörnig,
oft nur aus großen Massen von Quarz und Feldspath bestehend,
letzterer oft in Erp stallen; der Glimmer ist silberweiß, schwarz, braun
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