Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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Ein eigentümliches Stücklein spielte in dem 1760er Jahre im
Schooße des Stadtrathes, welches ans seine inneren Verhältnisse man-
stelle, nachdem der gewesene Anwärter Daniel Kiessel „in die Wirklichkeit
eingetreten/' Als ihm sein Gesuch abgeschlagen wurde, wiederholte er es im
Nov. 1761, da „der bereits 73 Jahre alte reformirte Rathsverwandte Klingel-
höfer an der Wassersucht darniederliegt" und wohl bald sterben werde, worauf
die Bitte gewährt und Mayer nach dem Tode KlingelhöferS im Januar 1762 in
dessen Stelle einrückte. — Ebenso ist 1760 der katholische Supernumerarius
Egedius Braun nach Absterben des Rathsverwandten Lehn „in salarium et
Letivitutem sueoeäirt." — Der Rathsverwandte Foltz, weil er in 6 Jahren
nicht 10 Mal die Rathssitzungen srequentirt „benebens dessen geflissentliche Ge-
fährdung der Creditoren den übrigen Rathsgliedern zur Unehre gereiche", wurde
vom Churfürsten im Oktober 1762 entlassen; an seine Stelle kommt der schon
früher ernannte Supernumerar Joh. Peter Büchler, — Johann Martin
Schweinfurth, Bürger und „Aufseher auf dem Schloß", schon einmal ab-
schlägig verbeschieden, meldet sich am 28. Juni 1764 in Versen um eine Anwär-
terstelle, erhält eine solche und rückt nach dem Tode des Rathsverwandten Gabel
in dessen Stelle ein, im April 1765, und zwar in Rücksicht auf seine bei dem
Schloßbrand von 1764 geleisteten guten Dienste. — Die Meldung in Versen lautet:
Durchlauchtigster Papa, du Pfälzer Schilde und Sonne
Erlaube einem Knecht, vor deinem gnaden Throne
zu tretten demuthsvoll der Anlaß ist der Brandt
des Heydelberger Schloß's den meine schwache Hand
Und stumpfer Feder Kiel beschrieben und besungen
Ob meine Muse nun Gehorsamst hin getrungen
Vor dero gnädig Aug in ihrem heißern Thon
Ist mir noch unbewust, auf meinem Helicon.
Die Fama spricht indeß von Gnaden äouutiousn
Womit Durchläuchtigster mit Vorzug sucht zu lohnen
Die Hulde und Clemenz die Aechte Dieners Treu
Deß der sich bey dem Brandt in Fallen mancherlei)
Pflichtschuldigst vor gethan, zu diesen darff mich zehlen
Dörfft aber ich devot die Gnade Hier erwählen
So wäre demuthsvoll, anjezo mein Gesuch
Man ziehe hier bey Rath von allzustarkem Tuch
Endlich den Vorhang weg, damit ich frey könt gehen
In solchen endlich ein, wie gnädigst einzusehen
Das letztlich Protokoll geheimer Götter Will
Als man schrieb Sechszig zwei allda der dritt Aprill
Und siebenzehn hundert noch, doch ward es aufgehoben
Das Schicksal hat den Todt damalen noch verschoben

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