Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

Page: 162
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/agshd1868/0178
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
162

man dies an den einzelnen Punkten, welche die Beschwerdeschrift auf-
sührte, und welche wir nun in diesem Aufsatze näher erörtern wollen.
Der Hofgerichtsrath und Landschreiberei-Adjunct Wrede erhielt
durch unmittelbares churfürstl. Rescript vom 30. Oktober 1789 den
Auftrag, genaue Untersuchung aller Beschwerden zu pflegen und s. Z.
Gutachten einzusenden. Wrede fing die Untersuchung am 17. No-
vember 1789 an; ein Zimmer auf dem Rathhaus winde zu diesen:
Zwecke besonders eingeräumt. Die in der Veschwerdeschrift Unter-
zeichnete Deputation der Bürgerschaft mußte Bevollmächtigte wählen,
es waren: Dreikönigwirth Bassermann, die Handelsleute und Pro-
fessionisten Guttenberger, Baumüller, Happel, Riegler, Maps, Steidel,
Schemper, März, Schwarz, Braun, Hänlein, Stephan, Fries und
Hottinger. Advokat de Troge vertrat die Beschwerdeführer, was
diesen: aus den: Grunde von: Churfürsten gestattet wurde, weil im
Stadtrath, gegen den die Beschwerde vorzüglich gerichtet war, drei
Rechtsgelehrte seien, Stadtdirektor Traiteur, Anwaltschultheiß Schneck
und Assessor Schwerd. Die Untersuchung dauerte bis in oen April
des Jahres 1791; an: 17. April wurde der Bescheid gegeben. Aber
noch über zwei Jahre wirkte die Beschwerde nach.
1. Die erste Beschwerde betraf die Erhebung des Schatzungs-
und Quartiergeldes. Die churfürstl. Hofkammer erhielt nämlich
schon seit längerer Zeit von der Stadt ein jährliches Steuer- oder
Schatzungs-Aversun: von etwa 9000 fl.; diese Summe wurde jährlich
auf die schatzungspflichtigen Bürger ausgeschlagen und zu ihrer Er-
hebung ein Schatzungs-Einnehmer, Schatzungs-Schreiber und Diener
angestellt. Alle diese Beamten erhielten ihre Besoldung, der Ein-
nehmer überdies ein Zählgeld von 3 st. von: ersten Tausend und
2 sl. von den übrigen. Nun waren aber nicht blos die adeligen
Personen mit ihren: Besitz in der Stadt schatzungsfrei, sondern diese
Freiheit war auch mit den meisten städtischen Aemtern verbunden, ja
durch die Gnade des Churfürsten wurde manchem Bürger aus ver-
schiedenen Ursachen die Schatzungsfreiheit verliehen. Auf diese Weise
war die Zahl der schatzungspflichtigen Bürger immer kleiner und die
Last der Schatzung selbst daher immer größer geworden. Die Be-
schwerde war daher vornehmlich dahin gerichtet, daß das Schatzungs-
quantum für den Einzelnen sich immer steigere, weil immer mehr be-
loading ...