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Grundformen in immer neuen Abwandlungen, unter
immer neuen Namen doch gleichartig wiederkehren, so
löste sich ihm das ganze ungeheure Netzwerk plötz-
lich in einfache Bestandteile auf. Es war ihm eine
frohe Hoffnung, Ulrich von Wilamowitz bald in Athen
zu sehen und ihm diese drängenden, gährenden
Ideen mitzuteilen. Sogar die Form des geplanten Wer-
kes und der erwünschte Zeitpunkt der Vollendung
standen klar vor ihm: er gedachte es seinem bewun-
derten und verehrten Lehrer Hermann Usetier zu sei-
nem siebenzigsten Geburtstage zu widmen und von
Wilamowitz die Erlaubnis zu erwirken, dass Kaibels
grundlegende Untersuchung, jetzt schwer zugänglich,
voran gedruckt werde.
Ich bin fest überzeugt, dass dieser kühne Ideenflug
seiner eigenen kühleren Nachprüfung stand gehalten
hätte, und ich betrachte es als ein heiliges Vermächt-
nis das, was er darüber niedergeschrieben hat, sobald
wie möglich bekannt zu geben. Es sind teils zusam-
menhängende Ausführungen von der strengen Schön-
heit des Ausdrucks, die allem, was er schrieb und
sprach, aufgeprägt war, teils skizzenhafte, weit tragende
Andeutungen. Eine ihm besonders wichtige Entdek-
kung wird in raschem Zuge dargelegt mitten in den
wunderbar klaren Aufzeichnungen über seinen wech-
selnden geistig-körperlichen Zustand. Er setzt wie ent-
schuldigend hinzu : «ich konnte dies nicht unterdrücken,
denn es war das ganze unsägliche Glück dieser Tage.
Ich weiss, das Buch wäre gut geworden. Möchte ein
anderer glücklicher sein».
Aber nicht allein diese Überfülle mythologischer Ein-
sichten verursachte in ihm das Übermaass geistiger
Spannung, das ihn vernichten musste. Ein anderes
trat hinzu.
H ans von Prott hatte seit früher Jugend ein tief-
 
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