Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DER ARCHAISCHE FRIEDHOF AM STADTBERGE VON THERA 83
Grab 102 a und b (7 a, b). Dies von Jannis Bailass ent-
deckte und von ihm und einem anderen Bauern teilweise
ausgeräumte Grab scheidet sich in einen älteren und einen
jüngeren Teil. Zuerst grub man schräg unter einen überhängen-
den Felsblock und setzte in der entstandenen Höhlung zwei bis
drei Tote, wahrscheinlich nach einander, bei; vorn verschloss
man das Grab mit einer der Kante des Felsens folgenden klei-
nen Mauer. Weiter vorbauen konnte man nicht, wenn der
Zugang zu dem Grabe 101 freibleiben sollte — vorausgesetzt,
dass dies Grab damals noch unversehrt war; nach seinem Ein-
sturz wurde 102 erweitert, indem man im Anschluss an einen süd-
lich liegenden kleinen Felsblock starke Süd- und Nordmauern
rechtwinklig davor errichtete und die alte Wand abtrug bis auf
die unterste Schicht, auf welche man die neuen Urnen legte.
Der Inhalt des Grabes war folgender: dem älteren Teil a
entnahm Bailass die euböische Amphora J 5, welche nach sei-
ner Angabe verbrannte Knochen und ein Tässchen enthielt1.
Später zog ein Unbekannter die theräische halslose Am-
phora A 44 hervor und zerschlug sie ; eine Scherbe lag noch
im Grabe selbst; auch dies wird eine Urne gewesen sein. Vor-
gefunden wurde noch ein ganz zerfallener Kochtopf mit ver-
brannten Knochen. Zu der Erweiterung b gehörte die grosse
theräische Amphora A 33, die mit der Mündung, welche ein
Gefässfuss verschloss, nach Norden gerichtet auf den alten
Wandsteinen lag; sie enthielt nur Erde; unter dem Halse lag
ein Tässchen. Über ihren Fuss war ein kretischer Pithos (wie
C I — 3) geschoben; er enthielt verbrannte Knochen, war also
eine spätere Beisetzung. Beide Gefässe waren stark zerdrückt.
Im dem Mauer-Dreieck vor den Urnen lag eine starke Aschen-
schicht mit Knochen von Kleinvieh, Scherben einer protokorin-
thischen Lekythos (K II B) und dem kretischen Kännchen C 64.
Die starken Wände von b sind schwerlich nur niedrige Stütz-
mauern, noch weniger Ränder einer Opfergrube gewesen ; das
Grab war offenbar eine Kammer: dem entspricht es auch,
dass die Urnen nicht mit Steinen verpackt waren.

1 Tässchen sind sonst nur kleinen Kindern beigegeben worden, also wird die
Angabe über die Knochen wohl unrichtig sein.
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