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DER ARCHAISCHE FRIEDHOF AM STADTBERGE VON THERA I 59

Die einzelnen Ornamente sind fast ausnahmslos
dem geometrischen Formenschatz der raykenischen Kunst ent-
nommen. Schon die Streifengruppen der bemalten Amphoren
mit breiter Standfläche und vieler Kännchen sind in mykeni-
schen Verhältnissen aus breiten und schmalen Bändern zusam-
mengestellt. Rein mykenisch sind Kreise, Halbkreise 1 und
Spiralhaken; die falsche Spirale aus tangierten Punkten auf
Beil. XVIII 3 verrät sich als diesen Haken gleichwertig. Denn
einerseits sind die Punkte länglich, wie meist die über einan-
der greifenden Haken gezeichnet werden, andererseits bietet
Beil. XVII 4 eine Zwischenform: der Raum zwischen den Haken
ist schraffiert, aber nur auf einer Seite des Gefässes, und auch
da nicht bei allen. Der Spiralhaken steht als eine verkürzte
Form selbständig neben der echten und der falschen Spirale;
ihn als Übergangsform zwischen diesen beiden zu fassen, geht
wegen seines frühen Auftretens und seiner späteren Verbrei-
tung nicht an ; die falsche Spirale ist vielmehr aus beiden älte-
ren Formen entwickelt. — Der vollständige Mäander fehlt zwar
in Kreta nicht mehr, wie noch Wide und Dragenclorff feststell-
ten (s. die Amphora 20 und einen vierhenkligen Pithos sowie
einen Skyphos aus Anopolis in Heraklion), aber heimisch ist
er dort nicht, auch schwerlich an Ort und Stelle aus der Spi-
rale entstanden. Meist begnügt man sich mit eckigen Bändern
oder einzelnen Haken ; auch die senkrechten Balken der Am-
phora 19 gehören hierher und sollen wohl den Eindruck eines
Mäanderbandes machen.—Schlangen- und Zickzacklinien sind
altes Allgemeingut; Rautenreihen2, Dreiecke, Schachbrettmuster
verwendet die spätere mykenische Kunst häufig, ebenso Gitter-
muster, wie das am Bauche der Amphora 17. Auch das Vier-
blatt ist eine in Kreta beliebte mykenische Form 3. Die Vögel

1 Bemerkt sei, dass die hängenden schraffierten Halbkreise des Pithos 18 ähn-
lich auch auf milesischen Gefässen Vorkommen, z. B. Salzmann Taf. 43, 44.
2 Bemerkenswert ist, dass auch die in Kreta wie anderwärts häufigen, durch
Kreuzung zweier Zickzacklinien gebildeten Reihen kleiner Rauten mit Punktfül-
lung (z. B. auf 14) mykenisch sind: s. die Bügelkannen Excavations in Cyprus
S. 38, 1182; 40, 1135, nur dort die Linien cursiv gezeichnet — was indess
auch auf der kretischen Amphora 20 und sonst vielfach begegnet.
3 Vgl. Mariani Amer. yournal of Arch. 1901 S. 305.
 
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