Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DER ARCHAISCHE FRIEDHOF AM STADTBERGE VON THERA 161
gigkeit von kyprischen Vorbildern, welche ihrerseits von my-
kenischer Abstammung sind. Die Grundform der kretischen
Kanne ist bauchig und steht bald der Kugel, bald dem Ei
näher; der Hals ist meist eng, selten hoch, häufig ganz niedrig,
die Mündung bisweilen kleeblattförmig; der Fuss ist einfach
abgeplattet oder ein meist kleiner, konischer Ring. Die wichtig-
sten Nebenformen finden sich unter den obigen Abbildungen
und Amer. Journal of Arch. 1901 Taf. IX 14. Einige, und zwar
stets kyprisierende Kännchen, sind in senkrechten Ebenen ver-
ziert; bei den anderen pflegt sich der Schmuck auf die Schul-
ter zu beschränken, während der Bauch grösstenteils gefirnisst
oder mit Streifengruppen verziert ist. Die Mehrzahl der ein-
fachen Kännchen trägt auf der Schulter Dreiecke und ist unten
gefirnisst; die kleinsten ähneln in der Form oft sehr den friih-
protokorinthischen Lekythen. Dagegen bevorzugen die Känn-
chen von feinster Arbeit auf der Schulter kleine Kreise, um
den Bauch Streifengruppen, welche in der Zusammenstellung
meist mykenischer Gewohnheit folgen (s. o. S. 159).
Beide letztgenannten Arten von Kännchen schliessen sich
unmittelbar an Mykenisches an. Die Kannen von Kurtes, Sala-
mis und dem Westabhange der Akropolis von Athen zeigen
den Übergang bis ins Einzelne, doch kann mangels von Abbil-
dungen darauf nicht eingegangen Averden. Nur ein Vorgang
sei schärfer, als bisher geschehen ist, beleuchtet: die allmäh-
liche Auflösung der lange erhaltenen Form der Bügelkanne.
Der Friedhof von Kurtes enthielt unter den Gefässen eines vor-
geschrittenen Übergangsstiles mehrere Bügelkannen. Sie ent
sprechen in der Kugel- oder Eiform mit kleinem Ringfusse
und in der Verzierung mit Dreiecken (vereinzelt auch mit Rau-
ten und Hakenkreuzen) sowie mit Streifengruppen vollständig
den einfachen Kannen. Die Mündung pflegt fast ganz senkrecht
zu stehen, der Bügel ist hoch, seine Scheibe stets vertieft, bis-
weilen bis zur Mitte des dicken Bügelhalters. Ein Schritt Aveiter,
und der Bügelhalter ist zum Hals geAvorden, dessen Durch-
schnitt stets ein Vielfaches der kleinen alten Mündung beträgt;
der Bügel ist nun zu zAvei Henkeln zerteilt (Anieric. Journal of
Arch. Taf. VIII 1), die nicht mehr notwendig am Halsrande an-
setzen müssen (Taf. VIII 2). Noch ein Schritt, und statt der
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ATHEN. MITTEILUNGEN XXYIII,
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