Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DER ARCHAISCHE FRIEDHOF AM STADTBERGE VON THERA 253
Verteidigung sehr wahrscheinlich (Έφ. άρχ. 1899 S. 131). Die
Verwandtschaft, welche die theräischen Gräber mit den vor-
mykenischen von Syra zeigen, giebt der Übereinstimmung ein
besonderes Gewicht. Ferner sind als Zeichen der einheitlichen
Anlage grösserer Gruppen von Gräbern gewisse bauliche Eigen-
heiten zu betrachten, von denen hier nur die auffälligste hervor-
gehoben wird: fünf von den sechs nördlichen Gräbern der mitt-
leren Terrasse besitzen Opfergruben, an deren einer Schmal-
seite eine Stufe gemauert ist (s. oben S. 249); diese Erscheinung
begegnet an keiner anderen Stelle des Friedhofes. Schliess-
lich sei auch darauf hingewiesen, dass der südliche Teil der
schrägen Terrasse zusammen mit der unteren Gruppe der Grä-
ber zwischen den Felsblöcken einen besonderen Kinderfried-
hof bildet. Dies ist allerdings wesentlich Folge der Bodenge-
staltung, welche die Anlage von Grabkammern, wie man sie
für Erwachsene fast ausnahmslos erbaute, dort sehr erschwerte,
und Kindergräber finden sich auch an anderen Stellen des
Friedhofes; aber eine gewisse Planmässigkeit zeigt sich doch
auch hier.
Die besprochenen Erscheinungen verlangen eine Erklärung.
Wer hat die Terrassenmauern und Wege erbaut, wer die gros-
sen Verbrennungsplätze hergerichtet, warum ähneln sich benach-
barte Anlagen in baulichen Einzelheiten ? Bei der Menge der
Beisetzungen, die jede Grabkammer aufnahm, geht die Erbau-
ung wenigstens der grossen Terrassenmauern weit über das
hinaus, was eine einzelne Familie gethan haben kann. Hier
müssen ganze Sippen, Vereine, oder der Staat eingegriffen
haben. Es wird Sache der Stadtgeschichte sein, die Frage, die
hier nur gestreift werden kann, im Zusammenhänge zu verfol-
gen. Nur auf eins sei noch hingewiesen. Tsuntas hebt in sei-
nen ausgezeichneten Untersuchungen über die vorgeschicht-
liche Cultur der Kykladen mehrfach hervor, wie sich an den
Friedhöfen die allmähliche Zusammensiedelung vereinzelter
Niederlassungen zu grösseren Ortschaften verfolgen lasse. Aber
auch innerhalb der grossen jüngeren Friedhöfe bleibt eine Son-
derung in Gruppen von Gräbern bestehen, die sich nur zum
Teil durch die Bodengestaltung erklären lässt. Auf dem Fried-
hof von Syra endlich, dessen Grabkammern die Vorfahren der
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