Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DER ARCHAISCHE FRIEDHOF AM STADTBERGE VON THERA 277
einem Einzelgrabe gesichert sein: was nie der Fall ist. Dass
die Asche in den meisten Gruben, auch in solchen, die sicher zu
Familiengräbern gehören, offenbar nur von einmaligen Opfern
herrührt, darf nicht befremden : um ein neues Opfer verbren-
nen zu können, musste man die Reste des vorigen entfernen.
So erklärt es sich auch, dass in den tiefsten Gruben, deren
starke Aschenschichten gewiss von mehrmaligen Opfern stam-
men, nie Schuttstreifen in der Asche erscheinen wie auf den
Verbrennungsplätzen: wenigstens teilweise ausräumen musste
man auch diese Gruben zu neuen Opfern ; das lag um so
näher, als man den sie anfüllenden oder ganz bedeckenden
Schutt sowieso entfernen musste 1.
Auf die Einzelheiten der Opfer muss kurz einge-
gangen werden.
Die Spende als der einfachere Teil mag voranstehen. Von
ihr stammen die zahlreichen Scherben der Schalen und Kan-
nen sowie die seltenen von Amphoren mit und ohne Hals. Die
grossen, nur mittelbar zur Spende benutzten Gefässe hat man
offenbar meist wieder mitgenommen oder auch als Urnen und
Beigaben verwendet (s. oben). Bemerkenswert ist das regel-
mässige Vorkommen von Salbgefässen, wie sie in Brand-
gräbern und auf Verbrennungsplätzen stehend, dagegen in Op-
ferschichten bisher nur selten beobachtet sind, so von Böhlau
in Samos (Nekropolen S. 25). Zu ihrem Auftreten im Dromos
des Kuppelgrabes von Menidi sagt Wolters, sie könnten an
Ort und Stelle nicht gebraucht worden sein, man müsse also
Opfergaben darin erkennen. Für Thera zeigt der Befund deut-
lich, dass man auf den Opferbrand ebenso wie auf den Schei-
terhaufen Salböl goss und die Gefässe dann meist zerschlug
und in die Flammen warf. Dieser Gebrauch würde dem später,
nach der im siebenten Jahrhundert erfolgten Einbürgerung des
Weihrauches, so beliebten Räuchern verwandt sein, das für
Totenopfer allerdings bisher nicht aus alter Zeit bezeugt war2.

1 Dass sichere Reste solcher beseitigten Asche im Schutt des Friedhofes nicht
begegneten, ist angesichts der starken Veränderung der Oberfläche nicht zu
verwundern.
2 v. Fritze Rauchopfer S. 23 ff., 50 f.
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