Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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GRIECHISCHE SIEGERLISTEN

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neten Buchstabenreste ordnen sich bestens ein; für das beide
Male nach gesetzte παίς sei auf Z. 32 πΰκτης παΐς από γυμνα-
σίων hingewiesen (vgl. auch Z. 15 ff.). Etwaige Bedenken besei-
tigt vollends das vor kurzem bekannt gewordene Festprogramm
der Άρτε μύρια aus dem Oropos nächstbenachbarten Eretria,
wieder ungefähr gleicher Zeit wie die athenische und die oropi-
sche Urkunde (Άθηνά 1902, 360 ff. Nr. 10; viel besser Έφημε-
ρ'ις άρχ. 1902, 97 ff. 143 f. Nr. 1): auf den ραψωιδός Z. 14 folgt
der αΰλωιδός παΐς— man beachte die Nachstellung von
παις—, es schliessen sich ανήρ κιθαριστής, κιθαρωιδός, παρωιδός
(vgl. Athenaios XV 697 ff.) an.
Ist hier der αυλωδός παΐς ausdrücklich bezeugt, so fehlt der
entsprechende ανήρ; umgekehrt trat wohl ein ανήρ, aber kein
παΐς κιθαριστής auf. Wir müssen auch hier wieder aus dem Vor-
gesetzten ανήρ schliessen, dass Agone der παΐδες κιθαρισταί so
herkömmlich waren, dass jener Zusatz für notwendig erachtet
wurde. Aber eben auf Grund der eretrischen Liste könnte gegen
die Breuersche Vermutung der Einwurf erhoben werden, dass
die όίνδρες αΰλωδοι und κιθαρισταί der panathenäischen Liste
nicht notwendig ebensolche Knabenagone an demselben Feste
zur Voraussetzung hätten. Erfreulicherweise legt wenigstens für
den Auloden-Agon der παΐδες an den Panathenaia die monu-
mentale Überlieferung Zeugnis ab. In einem von Frei nicht ange-
führten Aufsatze, Bonner Studien 1890 S. 240 ff., hat R. Ideinze
die Darstellung auf der Rückseite einer panathenäischen Am-
phora des akademischen Kunstmuseums zu Bonn sicher richtig
auf diesen Agon bezogen und für die Panathenaia in Anspruch
genommen 1. Da wir für die Panathenaia ein möglichst umfas-
sendes Programm voraussetzen dürfen, werden wir ihnen auch
den Agon der παΐδες κιθαρισταί zusprechen.
Nicht mit der gleichen Zuversicht kann ich für die Ergänzung
von Z. 2 [προσοδίου ποιητή]ς eintreten, auf die vornehmlich der
Umfang der auszufüllenden Lücke führte. Am liebsten würde man,
wie in der eretrischen Liste, an erster Stelle den Rhapsoden
sehen, den Kumanudis und nach ihm andere Z. 3 f. vor — στρα-

1 Leise Zweifel an der Absichtlichkeit des Details, der Bartlosigkeit der beiden
Agonisten, hat Reisch geäussert Berliner plm. Wochenschrift 1891, 1611.
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