Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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E. PREUNER

seine Folgerungen überzeugen nicht. Er vermeint coimne wie
consecration nouvelle des jeus amphiaraiques erkennen zu dür-
fen ; les Amphiaraia renaissent de /’oubli, et nos decrets marquent
la date de cette brillante resurrection. Da 329/8 ausdrücklich
nur αγών γυμνικός, ιππικός und απόβασις bezeugt sind, schliesst
er weiter, ist der μουσικός αγών, der JG VII 414 eröffnet, nach
329/8 hinzugefügt worden, und ist die Liste eben in die nächste
Penteteris der Amphiaraia 325/4 zu datieren, da 323 bereits
die Wirren des lamischen Krieges einsetzten.
Es bedarf nach meiner Überzeugung keiner langen Erörte-
rungen, dass genau der entgegengesetzte Schluss zu ziehen ist.
Da ein glücklicher Zufall überliefert hat, dass die Athener 329/8
ihre Amphiaraia nicht mit einem musischen Agone ausstatteten,
ist jene Liste, weil sie einen musischen Agon aufweist, mit
Sicherheit vor die athenische Reorganisation, also vor 338 zu
setzen. Davon dass die Amphiaraia im IV. Jahrhundert in Ver-
gessenheit geraten und durch die Athener zu neuem Glanze
erweckt worden seien, steht in den beiden Dekreten nichts zu
lesen; es war selbstverständlich, dass die Athener gesetzliche
Bestimmungen über die Feier der Amphiaraia trafen, nachdem
die Festleitung auf sie übergegangen war. Und vollends unglaub-
würdig ist die Annahme, dass die Athener, nachdem sie die
erste Feier sicher mit besonderem Aufwande begangen hatten,
sich bei der zweiten bereits zu einer Neuordnung und Vermeh-
rung der Agone entschlossen haben sollen. Aus Anlass eines
ähnlichen Falles sagt P. Jamot Revue des etndes gr. 1902, 355
(sur la date de la re Organisation des «Mouseia»): II est peu
croyable, on l’admettra, je pense, que le regiement si pompeuse-
ment notifie ä toutes les cites grecques .... n’ait ete applique
qilune fois dans son integrite. Eine Verkürzung des ersten Fest-
programms wäre aber immer noch leichter zu begreifen als eine
Erweiterung.
Somit ist das Jahr 338 als terminus ante quem für die oropi-
sche Liste ermittelt. Einen sicheren terminus post quem kann
ich weder in Dittenbergers Ausschluss der ersten Dezennien des
Jahrhunderts wegen des rein attischen Dialektes der Urkunde
anerkennen, da dieser um ihres internationalen Charakters wil-
len sehr wohl mit Absicht gewählt sein könnte, noch aus der
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