Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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GRIECHISCHE SIEGERLISTEN

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und da zweitens in Hadrians und der Antonine Zeiten zahlreiche
im Verlaufe der Dinge eingegangene Feste zu neuem Leben er-
weckt worden seien. Dittenberger hat sich mit der kurzen Notiz
zu Nr. 4 begnügt: Hadriani aetate certe non multo antiquior
videtur lapis; aufseine Ausführungen zu dem Solöcismus εν στρα-
τηγοί τω δεΐνι ist weiter unten Bezug genommen.
Das zweite von Dürrbach hinzugefügte Argument hat an und
für sich wenig zu besagen, würde zudem die Inschriften frühe-
stens unter Hadrian, nach 117 datieren. Und mit Datierungen
allein nach dem Schriftcharakter ist es, vollends in der Kaiser-
zeit, ein eigen Ding. Durch O. Kerns Liebenswürdigkeit lag mir,
wie schon eingangs bemerkt, von Nr. 3 ein Abklatsch vor. Da
mir die Kenntnis der larisäischen Steinschrift fehlt, kann ich nur
nach dem allgemeinen Eindrücke urteilen ; nach diesem würde
ich um der Schrift willen kein Bedenken tragen, Liste 3, und mit
ihr die übrigen, schon etwa um Christi Geburt zu fixieren, wenn
sich für eine solche Datierung gewichtige Gründe ins Feld
führen Hessen.
Dass das iota adscriphim fehlt — Sylt.- 670, 16 steht es irrtüm-
lich—, dass einige Male für \: ει gesetzt ist, ist für genauere
Zeitbestimmung nicht zu verwerten. So lässt sich, soviel ich
sehe, für die bisherige späte Datierung dieser Listen nur die
Formulierung der Würde des Festgebers in 3 und 4 als τοΰ
ταγεΰοντος την πρώτην χώραν εν στρατηγω τω δεΐνι — εν στρα-
τηγοί bietet auch 6 — anführen ; zu ταγ. την πρ. χοίραν sei auf
Dittenbergers Anm. 1 zu Nr. 4 (nach Miller) und zu εν στρα-
τηγοί auf H. Usener Göttername?i 1896 S. 68 35 und Dittenber-
gers Anm. 2 (s. auch zu JG VII 1773) verwiesen. Dass sich in
Athen ein vereinzeltes Beispiel für εν στρατηγω erst 143 n. Chr.
{JG III 1113, 1), ein anderes in Böotien um dieselbe Zeit findet
(JG VII a.a. O.J schliesst die Möglichkeit nicht aus, dass dieser
Solöcismus in beträchtlich früherer Zeit in Thessalien Platz ge-
griffen habe; zumal die Formel έν τη στρατηγία τη τοΰ δεινός, aus
welcher Dittenberger ihn überzeugend hergeleitet hat, sich schon
in einer Freilassungsurkunde findet, die einige Zeit vor der thes-
salischen Ehrenstrategie des Kaisers Augustus eingehauen sein
muss (Ussing Inscr. Gr. ined. 4 A, 22 f.; weitere Litteratur
s. unten S. 379 f.).
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