Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DIE GRIECHISCHE BÜHNE

39S

Über den Säulen des Proskenion und der Paraskenien kann
wegen ihrer geringen Stärke überhaupt kein Obergeschoss ge-
standen haben, höchstens darf über ihnen eine niedrige und
dünne Schranke oder Brüstung als seitlicher Abschluss des
Proskeniondach.es angenommen werden. Eine solche ist auch
im Theater von Priene tatsächlich noch erhalten, während kein
einziges hellenisches Theater Reste einer wirklichen Quader-
wand oder Spuren einer hohen »Versurenwand«' über den
Stützen aufweist. Wenn Puchstein trotzdem eine hohe seitliche
Abschlusswand seiner Bühne annimmt, ergänzt er, wie wir sehen
werden, die Ruinen nicht nur willkürlich, sondern sogar im
Widerspruch mit den erhaltenen Resten.
Das aus Stein und Holz bestehende Dach des Proskenion
war horizontal und bildete ein schmales Podium, das vom
Obergeschosse der Skene aus bequem zu betreten war und sich
daher zu einem Sprechplatze vorzüglich eignete. Es wurde im
Altertum Loge i ο n und später auch Theologeion genannt.
Indem Puchstein des Längeren zu beweisen sucht, dass die
Decke über dem Proskenion nicht als wirkliches Dach, sondern
als Podium konstruiert sei, erweckt er bei dem Leser den
Glauben, dass ich die Existenz eines oberen Sprechplatzes
leugne. Das ist aber durchaus nicht der Fall, und daher kämpft
Puchstein hier gegen Windmühlen. Ich habe in dem horizon-
talen Dache der Vorhalle nie etwas anderes gesehen, als ein
Podium oder Logeion. Der Unterschied unserer Ansichten be-
zieht sich lediglich auf die Benutzung dieses Sprechplatzes.
Puchstein erkennt in ihm den gewöhnlichen Spielplatz der
Schauspieler, während ich ihn für das Logeion der Götter und
der in der Volksversammlung auftretenden Redner halte. Über
dem Hause (υπέρ δόμων) müssen wir nach den Dramen einen
Sprechplatz für die Götter erwarten und besitzen ihn tatsächlich
in dem horizontalen Dache des Proskenion. Dass das hel-
lenistische «Logeion» nicht der gewöhnliche Spielplatz der
Schauspieler gewesen sein kann, und dass auch kein einziger
griechischer Schriftsteller eine solche Benutzung desselben über-
liefert, werden wir noch zu zeigen haben.
Zwei besondere Einrichtungen des Podiums über dem Pro-
skenion sind erst in den letzten Jahren bekannt geworden und
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