Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DIE GRIECHISCHE BÜHNE

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bindung ist durch eine Toranlage erreicht; die gewöhnlich ihre
eigene Architektur hat und sich nur selten (z. B. in Delos) an
die Bauformen des Proskenion anschliesst. Im griechischen
Theater Vitruvs sind dagegen, ebenso wie in den römischen
und griechisch-römischen Theaterruinen, beide Teile gewöhnlich
mit einander verbunden; für Vitruv ergiebt es sich aus dem
Umstande, dass beide Teile bis zur gleichen Höhe hinauf ge-
führt sind (vgl. E. Bethe, Jahrb. d. Inst. 1900 S. 71).
Die Zahl dieser unterscheidenden Merkmale liesse sich noch
vermehren, wenn ich die Abmessungen und Namen der einzelnen
Teile der Skene zur Vergleichung heranzöge, aber die aufge-
führten Punkte genügen vollkommen, um die Behauptung meiner
Gegner zu widerlegen, dass die beiden Theaterarten im wesent-
lichen identisch seien, und dass es keinen von den Regeln Vi-
truvs abweichenden Typus gegeben habe. I111 Gegenteil darf
man behaupten, dass es nur wenige Punkte giebt, die als ge-
meinsame Merkmale des hellenistischen und des griechisch-
mischen Theaters gelten können.
Der Hauptpunkt dieser Art, worin zugleich beide vom römi-
schen Theater abweichen, besteht darin, dass Zuschauerraum
und Orchestra einen Halbkreis übersteigen. Sie stimmen hierin
überein, weil das griechisch-römische Theater durch Umbau
des Skenengebäudes aus dem hellenistischen Theater entstan-
den ist; der Zuschauerraum ist dabei unverändert geblieben,
und die Orchestra hat beim Umbau zur Konistra nur geringe
Änderungen erfahren. Der zweite Punkt, worin beide überein-
stimmen, ist rein äusserlich: beide haben als unterstes Geschoss
ein vorspringendes Podium, dessen Abmessungen nicht genau,
aber ungefähr zu Vitruvs Maassangaben für die Bühne seines
griechischen Theaters passen. Aber sobald wir die Einzelheiten
dieses Vorbaues in Betracht ziehen, treten die oben besprochenen
Unterschiede alsbald klar hervor: Dort Säulen und hölzerne
Pinakes an der Vorclenvand, hier eine säulenlose Steinwand;
dort als Hintergrund über dem Podium eine eingeschossige
glatte Wand mit grossen Öffnungen, hier ein mindestens zwei-
geschossiger Bau mit vorgestellten Säulen in einem oder zwei
Stockwerken; dort als seitlicher Abschluss auf dem Podium
höchstens eine niedrige Schranke, hier hohe Wände mit der
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