Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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INSCHRIFT AUS THASOS

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mit sprachlichen Anstössen, die verraten, dass die Zeilen zu
kurz bemessen sind, auch an einer Stelle, Z. 9, mit der eigenen
Lesung des Steines nicht völlig im Einklänge. Da ζήτημα αγειν
vollends unverständlich ist, werden die vor ΑΓΕΙΝ verzeichne-
ten, am Rande wohl nicht ganz deutlichen Reste /\/\ nicht ΛΛΑ,
sondern AP angehören; es wird statt ζήτημα αγειν: d π αγειν zu
lesen sein. Augenscheinlich sollten diese Bestimmungen die
zurückkehrenden Verbannten gegen die Gefahr, als offenkun-
dige Übeltäter ergriffen und abgeführt zu werden, schützen.
Denn dieses Los drohte den unbefugt aus der Verbannung
Zurückkehrenden (J. H. Lipsius Attischer Prozess 282); es ge-
nügt an den Eid des Rates in Athen, in Andokides’ Mysterien-
rede 91 : και ου δέξομαι ενδειξιν ουδέ απαγωγήν ένεκα των πρότερον
γεγενημενών πλήν των φυγόντων; an Lykurgos’ Rede gegen
Leokrates 121: δ'τι των έν τώ πολεμώ μεταστάντων εις Δεκέλειαν
κατέγνωσαν και έψηφίσαντο εάν τις αυτών έπανιών άλίσκηται,
απαγαγειν "Αθηναίων τον βουλόμενον προς τούς θεσμοθέτας zu er-
innern und, bezüglich verbannter Mörder, an Demosthenes’ Rede
gegen Aristokrates 28. Eine απαγωγή und damit empfindliche
Kränkung hätte seitens persönlicher Gegner des heimkehren-
den Verbannten πρώτον «zuerst» versucht werden können, auch
wenn spätere Anerkennung seiner Befugnis zur Rückkehr und
seines Bürgerrechtes vorauszusehen war; solchen Widrigkeiten
sollte durch das Verbot der απαγωγή und die ausdrückliche
Zusicherung sofortiger Geltung der επιτίμια und des Bürger-
rechtes vorgebeugt werden. In Z. 6 ergäbe, wenn man nicht
statt έν ήμέρηι τήι αύτήι: ταύτήι schreiben will, auch μηδ’ αρ-
χών eine Stelle zuviel; ich habe daher αρχών δέ μήτε προστάτης
mit Unterdrüchung der Negation bei dem ersten Gliecle ge-
schrieben; zu den Beispielen, die U. von Wilamowitz, Euripides
Herakles 2 II 63 gesammelt hat, trage ich aus der Klytidenin-
schrift Dittenberger Syllöge 2 571 Z. 28 φρατρίαν δέ μηδέ ιδιώτην
μηθένα τώι οΐκωι τοΰτωι χρήσθαι nach. Für πρώτον sei auf Ari-
stophanes Ekklesiazusen 1017, 1079 und Antkol. Pal. XII 206
verwiesen.
Der nächste Satz Z. 9 bis 12 oder 13 verspricht jenen Patrioten
Vorrechte, die sich alsbald nach Einsetzung der Oligarchie zu
der Schenkung eines halben Talentes an die Staatskasse ver-
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