Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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A. WILHELM

stehen. Statt αυτίκα μάλα könnte auch an ein mit δλιγαρχίης
durch και verbundenes Wort gedacht werden, wie ειρήνης. Vor
κηρυχθείς entspricht in Z. io ές τό δημόσιον der Lücke; doch
wäre auch die Ergänzung ες δημόσιον άνα]κηρυχθείς unanstössig,
obgleich sie eine Stelle zuviel ergibt; der Steinmetz hat auch
in Z. 12 ein Jota, in Z. 21 ein Omikron zwischen die στοιχηδόν
geordneten Buchstaben gesetzt.Ές δημόσιον stünde ohne Artikel
wie in dem Beschlüsse der Athener über Salamis, den nach W.
Judeich Ath. Mitteil. XXIV 321 neuerdings C. Horner in der Dis-
sertation Quaestiones Salaminice (Basel 1901) behandelt und an
einer Stelle, Z. 2 οΐκεν εά(ν) Σαλαμΐνι [αΐεί π]λέν π[αρ= Άθεναίοισι
τελ]εν και στρατ[εΰεσθ]αι einleuchtend richtig ergänzt hat. Aller-
dings hat Br. Keil Hermes 1894, 67 1 erklärt, die Lesung ές
δημόσιον sei unmöglich, denn die Sprache verlange ές τό δημό-
σιον. In der Tat steht in solonischen Gesetzen (Plutarch Solon
21, 1; 24, 1) άποτίνειν und έκτίνειν εις τό δημόσιον. Doch sagt
Thukydides VI 31 προς τφ έκ δημοσίου μισθω, Xenophon Hell.
VI 2,10 έκ δημοσίου την τιμήν άπολαβεΐν, Platon im Staat 465 cl ή έκ
του δημοσίου τροφή ; und in athenischen Beschlüssen heisst es
zwar gewöhnlich καλέσαι εις τό πρυτανειον, doch steht einmal, in
dem später zu besprechenden Beschlüsse der Athener über
Selyinbria IG I Suppl. p. 18, 61 a Z. 41, von Meisterhans-Schwy-
zer Grammatik der attischen Inschriften S. 227 N. 1797 über-
sehen, καλέσαι ές πρυτανειον. Wer wird an einen Schreibfehler
denken wollen? Ist doch auch sonst zu beobachten, dass Be-
zeichnungen der amtlichen Sprache ohne Artikel gebraucht
werden. Εις δημόσιον dürfte also auch in einer Ergänzung nicht
beanstandet werden. Das solchen Wohltätern der Stadt auf
Lebenszeit verliehene Vorrecht kann Speisung im Prytaneion
oder ein Ehrensold sein; so erhalten in Athen οι την ιδίαν ουσίαν
εις την κοινήν σωτηρίαν θέντες durch das in dem Beschlüsse
IG II 5, 385 b (Dittenberger Sylloge2 467; Gott. gel. Anz. 1903,
787) erhaltene Gesetz die Ehre des σίτος έμ πρυτανεία), und das
Tyrannengesetz von Ilion (Michel Recueil 524; Inscr. jurid. II 25,
W. Dittenberger Orientis graeci inscriptiones selectae 218)
Z. 24 bewilligt dem Mörder eines Gegners der Demokratie
lebenslängliche Speisung im Prytaneion und obendrein ein Ge-
halt von zwei Drachmen täglich: είναι δέ αΰτωι και σίτησιν
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