Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Otto Berg und Otto Walter

bestimmt. Es ergibt sich daraus die Teilung des Zuschauerraumes in drei
Ränge von ungefähr gleicher Sitzstufenanzahl; für eine solche Dreiteilung
bietet wieder Ephesos im Gegensat z zu den Theatern römischer Zeit die
nächste Parallele. Die aus der angenommenen Lage der Orchestra und
der oberen Gallerie zu erschließende Steigung des Zuschauerraumes läßt
sich sehr wohl mit der Höhe und Tiefe der vorhandenen Sitzstufen verein-
baren. Nach der in unserem Rekonstruktionsversuch angenommenen An-
zahl von Sitzstufen ergäbe sich eine Gesamtzahl von ungefähr 16000 Sitz-
plätzen, wodurch das Theater dem von Ephesus an Größe etwa gleich-?
käme.

Die westliche Stützmauer erhebt sich über einem 1 m breiten, jetzt
1,5 m hohen Sockel aus großen Quadern bis zu einer Höhe von 5,5 m
über das heutige Niveau; darüber steht das Füllwerk noch 2,5 m aufrecht.
Nach einem westlich neben der Öffnung des gewölbten Ganges ebensoweit
wie der Sockel vorspringenden Pfeiler könnte man eine Architektur mit
großen Blendarkaden vermuten. Sicher ist, daß an diesen Pfeiler (über
dem Hause Nr. 171), wie bereits oben S. 15 erwähnt, ein Bogen nach
Norden ansetzte, denn eine Quader trägt Zurichtungen für Steineinsätze
(‘Nasen’), wie solche z. B. im Kolosseum in Rom (Durm, Baukunst der
Römer 236 Fig. 248; Choiseul, Art de bätir chez les Romains 127 fig. 78)
bei Bogen verwendet sind. Steine mit derartigen Zurichtungen finden
sich jetzt auch als Stufe vor dem Hause Nr. 167, ferner vermauert iin
nördlichen Durchgang des großen Vezir Khan, für welchen, wie oben
erwähnt, Baumaterial aus dem Theater geholt wurde.

Die Stelle östlich davon, wo der immer wieder erwähnte gewölbte
G a n g begann, ist jetzt zerstört. Dieser führt senkrecht durch die
Mauer und biegt nach einer Länge von ungefähr 16 m rechtwinkelig
nach Osten um, wo er den Zugang zum ersten- Diazoma bildete. Er lief
also nicht, wie z. B. in Aspendos (Lanckoronski I 103) konzentrisch mit
dein Diazoma ringsum, sondern könnte höchstens zu einein anderen, der
Theatermitte näher gelegenen gedeckten Gang geftihrt haben, der als
Untermauerung der Sitzstufen — als Zufluchtsort bei plötzlichem Regen
diente in Smyrna nach Vitruv V 9, 1 das Stratoniceum —■ oder wie z. B.
in Milet (Arch. Anz. 1904, 5 Abb. 4) als Zugang zu den verschiedenen
Keilen diente. Obwohl dies weniger wahrscheinlich ist und auch Mon-
conys Zeugnis ausdrücklich dagegen zu sprechen scheint, wurde doch
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