Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Alte und neue Ausgrabungen in Grieeheniand

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sein, im Geg'ensatz zu seiner Ringhalle, deren Säulen aus hartem hellem
Kalkstein bestehen.

Von einem dritten, ebenfalls kleinen Tempel sind nordwestlich vom
Haupttempel die Fundamente aufgedeckt. Sein Grundriß läßt sich noch
einigermaßen wiederherstellen, doch ist sein Aufriß unbekannt.

Interessanter als dieser dritte Tempel sind die zahlreichen Apsiden-
bauten, die zum Teil von den Tempeln überbaut und daher älter als diese
sind. Rhomaios hat mehrere von ihnen schon veröffentlicht (Jelxiov II
1916, 179 ff.). Von den olympischen Kurvenbauten unterscheiden sie
sich namentlich durch ihre bessere Bauart und zum Teil auch durch ihre
Grundrißbildung und Größe. Der unter die NW-Ecke des großen Tempels
hinuntergreifende Bau mit seiner tiefen offenen Vorhalle, seinem großen
Mittelgemach und seinem apsidenförmigen Hinterraum erinnert an den
Grundriß des 2. Megaron von Troja II und zeigt in seinem Mauerwerk
aus gleich hohen Steinplatten eine besonders gute Bauart.

Daß die Apsidenhäuser von Thermos im Wesentlichen dem II. Jahr-
tausend angehören, kann nach der in ihnen gefundenen Keramik nicht
zweifelhaft sein; vielleicht reichen aber auch sie oder wenigstens die unter
ihnen liegenden Mauern ins III. Jahrtausend hinauf.

Neben den Tempeln und den alten Kurvenhäusern bietet Thermos
für den Archäologen noch inanche sehenswerte Anlagen späterer Zeit.
Ich erwähne nur kurz ein großes Quellhaus, lange Säulenhallen, die zu
einem noch nicht ausgegrabenen stattlichen Gebäude führen, und eine
starke Festungsmauer mit Türmen und Toren, die das Ganze umschließt.
Der Besuch dieses Heiligtuins, das lange Zeit den Mittelpunkt des äto-
lischen Bundes gebildet hat, muß bei dieser Fülle des Sehenswerten allen
Archäologen dringend empfohlen werden.

8. Leukas-Ithaka.

Zum Schluß meiner Reise hatte ich im Monat Juli noch die Freude,
zwei meiner eigenen früheren Grabungsplätze, Leukas-Ithaka und Ker-
kyra, besuchen zu können.

Auf der Insel Leukas sind meine Ausgrabungen vorläufig ab-
geschlossen. Ich hatte nur noch Einzelheiten für mein Buch Alt-Ithaka
nachzusehen und den Beitrag meines Mitarbeiters Prof. P. Gößler über die
Einzelfunde im Museum nochmals mit den Originalen zu vergleichen.
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