Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 2.1968

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schwindet immer mehr und immer häufiger die
emotionelle Komponente und die Komponente
der persönlichen Interessiertheit. An ihrer Statt
verbindet sich die Empirie mit einer professio-
nellen Routine und Konventionalität. Die Vor-
bedingungen seiner früheren Entwicklung werden
von Rom bauer immer seltener beachtet; in dieser
Periode kommt es nur schon sporadisch zu einer
intensiveren Entfaltung der Finessen seiner Ma-
lerkunst. Zu diesen seltenen Ausnahmen gehört
z. B. das Doppelportrait des Prešover Rechtsan-
walts Samuel Kardoss und seiner Gemahlin aus
dem Jahre 1836.63 Insbesondere das Frauenbildnis
erinnert hier noch — mit seinem lieblichen, un-
mittelbaren, dabei jedoch fein vergeistigtem Aus-
druck, und die mit einer vertieften Echtheit
traktierte physische Erscheinung — an die einsti-
gen künstlerischen Ansprüche und Ambitionen
Rombauers. Lebendig, mit einer verhältnismässig
freien Kalligraphie gemalt ist auch das „Bildnis
einer Dame mit Haube aus der Familie der Ma-
leters“,64 und statischer, dabei jedoch mit Fein-
gefühl und Sinn für lebendige Details das „Bildnis
der Rozina Sterbinský, geb. Metzner“.65 Das
Bildnis des Rechtsanwalts Samuel Hellner,86
insbesondere jedoch das Bildnis des Prešover
Kaufmanns Lillia Boldizsár aus dem Jahre 1839,67
auf welchem die Geschäftstüchtigkeit und sogar
geschäftliche Schlauheit der jungen Bourgeoisie
so überzeugend dargestellt sind, machen nach
vielen Jahren von neuem von der plastischen und
auch karikierenden Uebertreibung Gebrauch. Es
scheint, dass der Künstler sich hier ungewollt
eine treffende, dabei gutgemeinte und verständnis-
volle Kritik der menschlichen Schwächen erlaubt
hat.
Nebst dem Milieu der kleinen Provinzstadt sind
es auch das herannahende Alter und eine stille
Familientragödie, die Rombauers Schaffenskraft

untergraben. Seine Frau und seine einzige Tochter-
werden kurz nacheinander von der Lungenschwind-
sucht, einer damals noch unheilbaren Krankheit
dahingerafft.68 Und kurz darauf, kein ganzes
Jahr nach dem Tod seiner Tochter, am 12. De-
zember 1849 erliegt der Künstler einem Herzanfall.
Das Werk, das Rombauer hinterlassen hat,
repräsentiert eines der interessanten Kapitel der
slowakisch-russischen künstlerischen und kultu-
rellen Beziehungen und Kontakte der Vergan-
genheit. Diese entstehen und entwickeln sich
während Rombauers langjährigen Aufenthaltes
und seiner Tätigkeit im Milieu des alexandrinischen
Petersburgs, wo der Künstler die nahesten Koor-
dinaten und „eine tiefe Sicherheit“ seines besten
Schaffens findet, und die auch nach seiner Rück-
kehr in die Heimat nicht völlig unterbrochen wer-
den. Sie bleiben erhalten vor allem durch einige
Reminiszenzen an die Manieren und Errungen-
schaften der russischen Empire- und roman-
tischen Portraitschule, und die dann auch durch
Kontakte mit russischen Freunden und Bestellern
Wiederaufleben.
In die slowakische Malerei, die im zweiten Viertel
des 19. Jh. sich den Weg zur Nationalisierung nur
allmählich und zaghaft bahnt, gelangt Rombauers
Werk als ein spezifischer Beitrag, der nicht nur
durch die Eigenartigkeit des Talents des Künstlers,
sondern auch durch seine Erudition an den Ar-
beiten der besten russischen Portraitmaler gege-
ben ist. In der Entwicklungslinie der slowakischen
bildenden Künste repräsentiert daher Rombauers
Werk eine bemerkenswerte Tradition, die teil-
weise — auch wenn indirekt — aus der heimatli-
chen Atmosphäre auch von der Stür’schen Künst-
lergeneration der nationalen Wiedergeburt auf-
genommen wurde, um sie dann in einer modi-
fizierten, entsprechend adaptierten Form künfti-
gen Generationen weiterzugeben.

Bemerkungen

1 Es handelt sich in erster Reihe um zwei wichtige,
in bezug auf Material und Biographie wertvolle Beiträge
von Kornel Divald, Adatok Rombauer festô életérôl
(Daten aus dem Leben des Malers Rombauer) (Mûvészet
III, 1904, 133—139) und Ujabb adatok Rombauer János

festöräl (Neuere Daten über den Maler Johann Rombazier).
(Mûvészet XIV, 1915, 414—418). Materialwert aus der
älteren ungarischen Literatur besitzt auch die Glosse
eines mit ,,x-“gezeichneten Autors, veröffentlicht ebenfalls
in der Zeitschrift Mûvészet (VII, 1908, 130—131).

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