Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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der Treisam und Kinzig dieselbe Mischung keltisch-römischer
Bevölkerung und Kultur, wie an der Murg und am Neckar.
Es bestanden im römischen Vorlande eine Berg- und eine
Rheinstraßc, welche dessen verschiedene Landschaften militärisch
und kommerziell mit einander verknüpften. Wo durch bedeuten-
dere Thalöffnungen des Schwarz- und Odenwaldes dem Feinde
ein Einbruch möglich war, da sicherten Wart- oder Beobachtungs-
türme, Castelle und verschanzte Lager, diese Straßen und
das benachbarte Land, dessen Städte, Dörfer und Weiler
meist an den Stellen unserer heutigen ältesten Orte lagen.
Unter den Kaisern Trasan, Hadrian und Caracalla*) wurde
das rheinische Vorland völlig romanisiert. Es blühte darin
ein Verkehrs- und Gesellschastsleben, wie im benachbarten Gallien.
Man lag dem Acker-, Wiesen-, Reben- und Gartenbaue ob,
betrieb Berg- und Hüttenwerke, Flözer- und Zieglereien, erwei-
terte die Städte und Dörfer, vermehrte die Befestigungen,
legte neue Straßen mit Standorten und Meilenzeigern an, er-
richtete Landhäuser, Tempel, Bäder, Denkmäler, Erinnerungs-
steine und dergleichen in Menge.
Was wir gegenwärtig im Lande an Grundlagen des
Anbaues und der Kultur entdecken, ist daher nicht Alles von so
spätem Datum, wie das herrschende Geschlecht gerne zu wähnen
pflegt. Wir dürfen uns nicht schmeicheln, daß das Erdreich,

angesiedelt. Sie wurden aber nach etlichen Jahrhunderten durch die Deutschen,
welche von der Weser, Elbe und Oder nach dem milderen Südwestcn wanderten,
wieder über den Strom und selbst jenseits bis in die Gebirge des Vogesus und
JuraffuS gedrängt. In dieser Noth riefen sic endlich die Römer zu Hilfe,
denen cs gelang, die blonden Eindringlinge zu besiegen. Dagegen bildeten die-
selben nun ihren Granzer- oder markmännischcn Bund, behaupteten aber das
den Kelten abgcdrungene rechte Rhcinufer nicht, sondern zogen sich wieder ostwärts
hinter die großen Gebirge. Dadurch blieb das obere Nhcinthal eine Zeitlang
öde liegen, bis sich kühnes, in der übcrrheinischen Heimath besitzloses Kcl-
tenvolk (wrissimus ^uisquo 6sIIorum) darin niederließ und es hierauf die
Römer in ein Vorland ihres Reiches verwandelten.
*) Also vom Schluffe des ersten bis in den Anfang des folgenden Jahr-
hunderts unserer Zeitrechnung.

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