Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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Diese einzelnen freien Gemeinden und Familien aber ver-
mochten es nicht, sich selber gehörig zu vertreten und zu beschützen,
sie waren genöthigt, einen mächtigen Nachbar zum Schirmer und
Vertreter, das heißt zum Vogte auzunehmen, welcher im An-
fänge nichts von ihnen zu fordern hatte, als die festgesetzte Vogt-
steuer. Der Schutzherr verwandelte sich aber unbemerkt in einen
Landesherrn; denn die armen Freibauern schliefen als Vogt-
leute über ihrer Freiheit allmälig ein, um eines Tages als gräf-
liche oder freiherrliche Unterthanen zu erwachen.
Wenn man Urkunden aus dem lOten Jahrhunderte durchgeht,
welche in unfern Ortschaften ausgestellt worden, so finden sich
darin immer noch viele freie Männer als Zeugen aufgeführt;
mit den folgenden Zeiten verschwinden dieselben aber mehr und
mehr aus den Zeugenverzcichnißcn und endlich nennen diese nur
noch Grafen und Freiherren und andere Edle mir ihren
Lehen- und Dienstleuten.
Hierin erkennt man den völligen Zerfall der Ganverfas-
fung und das an deren Stelle getretene Lehenwesen. Weit
der meiste Grundbesitz hatte sich aus unmittelbarem Eigenthume
in mittelbares verwandelt, wodurch der alte Heerbann auf-
hörte, um der Lehenmiliz oder dem Söldnerwesen die Herr-
schaft einznränmen.
Werfen wir hier einen Blick auf die verschiedenen Grafen-
und Dynastengefchlcchter, welche sich während dieses Kampfes
der Großen und Mächtigen gegen die gemeine Freiheit in unfern
jetzt badischen Landen herangebildet.
Aus dem Linzgaue, im Norden des Bodensees, giengen
die Grafen von Heilig en berg hervor und neben etlichen ge-
ringeren Dynasten die Freiherren von Frikingeu und von
Markdorf, wie aus der benachbarten Goldinshundert die Gra-
fen von Rordorf und die Freiherren von Zimmern. Erstere
erloschen aber schon 1298, nachdem der letzte Sprößling seine
Grafschaft an das Hans Werdenberg verkauft hatte, und
von den übrigen Geschlechtern erlangte nur das letztere als
Herrschaft zuMeßkirch unter dem gräflichen Titel eine längere
Dauer.
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