Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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die Lehrstunden des Mathematikers Stöffler. Derselbe gewann
auch bald ein so volles Vertrauen zu dem neuen Lehrlinge, daß
er ihm all' seine Entdeckungen und Arbeiten zum Abschreiben
mittheilte. Hiedurch wurden dieselben allein gerettet, da im
Jahre 1534 die stöfflerischen Original-Handschristen durch einen
Brand sämmtlich zu Grunde giengen?).
Nm sich den Wissenschaften desto ungestörter widmen zu
können, war der junge Münster dem Beispiele seines früheren
Lehrers gefolgt und in den Orden des heiligen Franciscus ge-
treten. Als sich Pellican aber von den Bewegungen der Refor-
mation ergreifen ließ, zog auch unser Sebastian die Mönchs-
kutte wieder aus und eilte nach Heidelberg, wo eben damals
ein regeres wissenschaftliches Leben begann.
Hier nun verlegte sich Münster besonders aus das Studium
der Theologie, ertheilte aber nebenher auch Unterricht im He-
bräischen und gab 1523 ein Wörterbuch und eine Gram-
matik dieser Sprache heraus, was wahrscheinlich das meiste
dazu beitrug, daß man ihn sofort mit Grynäus und Buschins
zum Lehrer der Hochschule erhob. - Er erhielt den hebräischen
Lehrstul — sreilich mit nur 25, sage füns und zwanzig
Gulden jährlicher Besoldung!
Nach wiederholten Bitten um eine Zulage wurden ihm zwar
sünf Gulden weiter verwilligt, dagegen behielt man für die
Zeit einer Reise, welche er 1526 nach Basel machte, engherzig
seinen ganzen Gehalt zurück. Diese schnöde Behandlung be-
stimmte den guten Mann, welcher in der gelehrten Welt bereits
den Namen eines der vorzüglichsten Mathematiker und Orienta-
listen besaß, nach Basel zu wandern ft). Hier übertrug man
ihm 1529 den Lehrstuhl der Theologie, welchen sein ehemaliger
Lehrer Pellican bisher innegehabt.
Münster nahm aber aus Bescheidenheit keinen academischen
Ehrentitel an und entsagte den theologischen Fächern, worin er

7) Niliil illsrum lucubr-Uionum enssisset, nisi muUn Nünsterus
in6e clescriptu ssservasset. Orusius, unusl. 8uev. II, 554.
8) Vergl. Häusser, Gesch. der rhein. Pfalz I, 552.
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