Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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aus der Vor- und Mitwelt. Die erste Bearbeitung desselben er-
schien im Sommer 1544 als ein 660 Seiten starker Folioband
bei Buchdrucker Heinrich Petri zu Basel, dem Stiefsohne des
Verfassers '"), welcher viel damit wagte, für feine anfänglichen
Opfer aber in der Folge reichlich belohnt wurde.
Nach damaliger Sitte, gelehrte Arbeiten irgend einer hohen
Person zu widmen, richtete unser Cosmograph feine Widmung
an den König Gustav von Schweden, wozu er durch dessen
Diener, den gelehrten Georg Normann, veranlaßt worden.
Dieser Herr schäzte Munstern wegen dessen herausgegebenen
Schriften sehr hoch und besuchte ihn 1542 zu Basel, bei welcher
Gelegenheit er die Handschrift der Cosmographie zu Gesichte be-
kam, dieselbe durchsah und wohl würdig fand, „daß sie unter
dem königlichen Schirme seiner Majestät an den Tag käme" ;
denn sonst wäre der Verfasser „so vermessen nit gewesen, dem
Buch ein' solchen Patron fürzustellen".
In dieser kurzen Widmungsschrift spricht Münster vom
Wechsel der menschlichen Dinge, vom Aufblühen und Verkommen
der Reiche, Länder und Völker, und bemerkt sodann: „Solichs
aber schreib' ich nit, Euer königlich' Majestät damit zu lehren,
die es Alles wol weißt, fundern etwas Anzeig' zu geben, was
mich verursacht hat, diß Buch zu schreiben, dessen sich vor mir
Keiner unterstanden — in solcher Gestalt und in teutfcher
Zungen. Dann das Argument (desselben) erstreckt sich gar
weit. Ich hab' ein Compendium und kurzen Begriff von allen
Ländern des Erdreichs dem gemeinen Mann wöllen fürfchrei-
ben, sich darin mit Lesen zu erlustigen, und dem Gelehrtenden
Weg anzeigen, wie man nach so vil' Kutschen Chronographien
auch gar nüzlich Cosmographien und Topographien
schreiben möchte, wie ich dann solichs vor 18 Zaren angefangen
mit discm Werk, nachfolgend dem hochgelehrten Straboni".
Die erste deutsche Weltbeschreibung von solchem Umfange
mußte jedenfalls eine günstige Aufnahme finden; der bescheidene

10) Münster hatte nämlich nach seiner Niederlassung in Basel die Wittwe
des verstorbenen Buchdruckers und Verlegers Adam Petri geheirathet.
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