Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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Den Eingang in's engere Thalbereich bildet das Grenz-
acher Horn, ein Gebirgsvorsprung, welcher das rechte Ufer
des obern Rheinthales abschließt. Schon nach einer geringen
Wegstunde von Kleinbasel, wo das badische Gebiet wieder be-
ginnt, finden wir ein Wirth sh aus (und eine Station des
deutschen Zollvereines) mit jenem Namen bezeichnet; das eigent-
liche „Horn" ist aber der südwestliche Ausläufer des Dinkelberges,
welcher der obere Berg heißt und mit seiner felsigen Stirne
weit gegen das Rheingestade hervortritt ').
Eine halbe Stunde aufwärts vom Horne lagt sodann Grenz-
ach, am Eingänge eines freundlichen Wiesenthälchens zwischen dem
oberen und unteren Berge. Das alte heitere Dorf zählt 900 Ein-
wohner evangelischen Bekenntnisses und ist durch seinen trefflichen
Weinwachs bekannt. Denn die Grenzacher Weinberge ziehen
sich in der besten Lage am kalk- und sandsteinhaltigen Gebirgs-
fuße vom Hornraine bis auf die Höhe der unteren und hinüber
an die Tschampenhalde des obern Berges. Diese Rebengüter
bilden auch den Hauptreichthum der Gemeinde, indem die übrige
Gemarkung derselben zu den geringeren gehört.
Der Weinbau mag hier uralt sein, da die Gegend zwischen
Lasüen und L.nKU8ta knuimooruin gewiß von jeher eine reich
bevölkerte und gut bebaute war. Die früheste Nachricht über
denselben stammt indessen erst aus dem Anfänge des 14ten Jahr-
hunderts. Markgraf Otto nämlich von Röteln und Graf Ru-
dolf vou Wälschneuenburg schenkten 1322 dem Rittcrhause zu

1) Horn (Felsenspitze, Promontorium) ist die alte Bezeichnung solcher
Vorsprünge und Ausläufer. Grenzacher Horn heißt es aber nicht etwa wegen
der dasigen Grenze; denn dieses Wort (vom slavischen ^rsnwm) reicht nicht
in die alte Zeit hinauf, wo der Ort seinen Namen erhielt. Derselbe dürfte,
da der kleine Bach zwischen dem Ober- und Unterberge vom Wilener Banne bis
über das Horn hinaus das einzige Wasser ist, davon hergenommen sein.
Die älteste Nachricht über das Horn ist von 1262. Damals verkaufte das
Kloster Mettingen der Stadt Basel als ein Erblehen „eia? kilorno sive
ucumen montis inkrn t'ossstg prope Idstennm in tmuno kdicinu situm,
unter der Bedingniß, daß sie keinerlei Gebäude darauf errichte. Aber ihr war
gerade daran gelegen, daß Niemand anders dieses thue, wegen der Nachbarschaft.
Ochs, Gesch. von Bas. I, 362.
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