Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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der Edelknecht Hartmann, welcher Verena von Dettingen zur
Frau hatte, gerieth sogar in die Lage, auch das Kleinmaicr-
thum (für die Summe von 875 Gulden) an das Stift ver-
kaufen zu müßen "), was eben unter der Regierung seiner Base,
der Abtissin Margaretha, geschah.
Zn jenen Zeiten der Verarmung des Geschlechtes von Wie-
landingen mag es nun gewesen sein, daß Einer daraus, wie
so viele seiner Standesgenossen, die heftige Parteiung zwischen
Adel und Bürgerthum zur Wcgclägerei benützte und deswegen
die kleine Burg Rheinsberg ") bewohnte, welche der Landstraße
ganz nahe lag. Das Volk nannte diesen adeligen Schnapphahn,
auf sein Wappen anspielend, den Junker „zu der Geige" und
machte ihn zum Helden einer schauerlichen Sage.
„Der Wielandinger", so wird noch gegenwärtig in der
Umgegend erzählt '^), „übte den Straßenraub überaus frech und
schlau. Am liebsten trieb er sich als Fiedler verkleidet an den
Straßen umher und spielte vorüberziehenden Kauf- und Fuhr-
leuten lustige Stücklein auf, während seine Gesellen, deren Pferde
(um etwaige Verfolger zu täuschen) mit verkehrten Hufeisen
beschlagen waren, im Hinterhalte lauerten. Kam nun der günstige
Augenblick, so wurden die Getäuschten überfallen und ausgeplün-
dert oder nach Wielandingen geschleppt, um ihnen für ihre Frei-
lassung eine Summe Geldes abzuzwängen."
„In anderer Weise gebrauchte der Junker auch seine Toch-
ter, welche durch ihre Schönheit glänzte, als Lockvogel, um junge
Ritter herbeizuziehen und von ihnen Geld zu erpressen. So trieb
der Gewissenlose das Diebs- und Räuberhandwerk, bis es endlich
die Ursache seines Verderbens ward."

13) Dcr Verkauf geschah vor dem Gerichte zu Säckingcn „an offner
Straß". Urkunde des Gerichts vom Dienstag nach St. Margaretha 1373.
14) Die Marken der Herrschaft Werrach zogen sich „zwischen Seckinger und
Harpolingcr Bann bis an Butzmatten, so zu der Burg Rinsperg gehörig".
Beschrieb von 1576. In Akten von 1626 war „Rhinsperg (verdorben
„Rischberg"), so ein alt Burgstall (also zerstört) und ein Hof dabei, ein Zu-
behör der Grafschaft Wehr".
15) Schnetzler, bad. Sagenbuch I, 153.
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