Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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Dagegen überraschte mich am Ausgange des Ortes der groß-
artige Viaduct des Schienenweges über die tiefe Schlucht des
alten Schloßgrabens. Er verleiht der malerischen, so lebhaft an
das Mittelalter erinnernden Gegend ein seltsames Ansehen und
ruft in der Seele des Betrachters unwillkürlich eine Vergleichung
zwischen Ehemals und Jetzt hervor.
Als der Gründer des Hauses Oesterreich noch auf dem
Hauensteine saß H, über den kleinen Planen brütend, wie er
sich seine unbequemen Nachbaren, den stolzen Tiesensteiner,
oder die frommen Brüder in der Neuenzelle, oder den ritter-
lichen Vetter zu Laufenburg, vom Hals schaffen und ihre
Besitzungen aneignen möge — wie sah es damals wohl an
diesem Rheingestade aus? «
Von der Murg bis zur Schlucht, von Laufenburg bis
Thiengeu lagen außer Hauenstein erst zwei Oertlein an der
Heerstraße, welche sich noch durch manches ungeheuere Tannen-
und Eichengehölze zog. Doch war dieselbe als der einzige Land-
weg zunächst am Rheine Herab vielfach belebt durch Frachtwagen,
Reisezüge, Marktleute und Wallfahrer. Der Graf gab gutes
Geleite; denn er wollte Ordnung haben in seinem Gebiete —
freilich oftmals aus eine Art und Weise, wie es auch ehrlichen
Leuten nicht gefiel.
Da entwickelten sich in der Seele des kleinen Fürsten immer
größere Plane. Er erbaute die Stadt Walds Hut zum Schutze
und als Hauptmarkt seines albgauischen Rheingeländes, und was
früher den nächsten Nachbaren des Hauensteines gegolten, das
galt jetzo den reichen Regensbergern und Tockenburgern,
den mächtigen Prälaten zu St. Gallen und Basel.
Es war kein übler Plan, und die kaiserlose Zeit begünstigte
die Ausführung desselben — die Landgrafschaften von Ober-
Elsaß, vom Sundgau und Kletgau und Argau, die
Herrschaften Werrach, Laufenburg und Hauenstein, die

4) Rudolf von Habsburg war Graf zu Hauenstein mit der Oberherrlich-
keit über den nieder» Albgau. Er hielt sich gerne daselbst auf, weil es in der
Nachbarschaft treffliche Jagden gab.
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