Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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das alte Jagdhaus bei Stunzingen zu einem „Schloß und
Stadtlein" erhoben, handelte es sich um die Benennung desselben.
Zu diesem Behnfe habe, wie die SageH erzählt, der Rath der
neuen Bürgergemeine sich versammelt und einen lockenden Preis
ausgesetzt für den Finder des geeignetsten Namens. Wie
nun aber lange Zeit Niemandem ein solcher eingefallen, sei ein
kleines Wäldermännlein vorgetrcten und habe den blanken Preis
mit den Worten in seinen Hut gestrichen:
„Vergönnt mir nicht das Silber gut,
Und nennt die Stadt „des Waldes Hut."
Das Waldshuter Männlein gehört indessen nicht bloß der
Sage an, sondern bildete wirklich das Wappenbild des ältesten
Stadtsigels. Ich habe ein solches vor mir, an einer Urkunde
von 1277, also aus den ersten Zwanzigerjahren der neuen Stadt.
Es zeigt aus dem einfachen und einfach umschriebenen Spitzschilde
die Gestalt eines Wälders mit dem Wanderstocke in der einen
Hand, während die andere zwischen der Brust und dem Bande
steckt, woran ihm der hochgupfige Hut über der Schulter hängt.
Das munter dahinziehende Männlein trägt enge Beinkleider H,
einen faltigen bis kurz ober die Kniee reichenden Wamsrock und
sein starkes Haar nach hauensteinischer Weise geschnitten.
Das lange Haar deutet aber wohl den freien Wälder an,
welcher sich ohne nachjagenden Herrn auf die Wanderung begeben
darf, und daß er seinen Hut über die Schulter geworfen, weiset
auf die einfache Sitte der Zeiten hin, wo man das Haupt nur
bedeckte, wenn's der Sonnenstich oder Regcnschlag befahl, ge-
wöhnlich aber bloß trug, wie solches heute noch in manchen
Gebirgsgegenden der Fall ist.
Aber warum befindet sich der Mann auf dem Wege, und
wohin zieht er? Ich denke, es ist ein freier Hauensteiner, welcher
vom Walde herab nach der neuen Stadt wandert, um sich

4) Schnetzler, Badisch. Sagenbuch I, 126.
5) Die kurzen Pumphosen, welche man ehedem am ganzen Oberrheine
trug, und welche die Hauensteiner mit einigen Schweizcrdörfern noch jetzt
gemeinsam haben, reichen wohl nicht über das 15te Jahrhundert hinauf.
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