Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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Dieses geschah durch den General Laborde, wahrend zu
Philippsburg der Nheingraf von Salm als Kommandant be-
fehligte. Nun wurden die Franzofen zwar wieder zurückgedrängt,
und es fand sofort zu Anfang des Dezembers durch die verei-
nigten kaiserlichen Truppen in Verbindung mit der Philipps-
burgischenBesatzung ein allgemeiner Angriff auf ihre Stel-
lung bei Wiesloch statt, welcher sie nöthigte, die Blokade von
Philippsburg aufzugeben und einen Waffenstillstand nach-
zufuchen b«); aber das folgende Jahr sah man die Festung doch
wieder in ihrer Gewalt.
Denn im Frühlinge 1800 drang Moreau mit einer Armee
von 100,000 Mann über den Rhein, wo ihm die kaiserlichen
Generale Kray und Sztarray zwar mit einem größeren, aber
sehr weit auseinander gelegenen Heere entgegenstanden. Der
Kriegsschauplatz wurde nach Baiern gerückt und nun auch Kray
zu einem Waffenstillstände gezwungen.
Dieser am 15ten Juli abgeschlossene Stillstand hatte zur
Folge, daß der Kaiser den Franzosen die Festungen Philipps-
burg, Ulm und Jngoldstadt einräumte. Hierauf gab Moreau
den Befehl, dieselben zu schleifen, da sie ohne Geschütz und Pro-
viant waren, ihm also wenig nützen konnten, den Oesterreichern
aber bei weiteren Feldzügen zum Vortheile gereichen konnten.
Die Demolierungsarbeit dauerte vom lOten Oktober 1800
bis zum 6ten Mai des folgenden Jahres.
„Unvergeßlich", fügt Kolb^) diesen Nachrichten bei, „un-
vergeßlich bleibt den Philipps bürgern der deutsche Festungs-
kommandant, der bald hernach gestorbene Rheingraf von Salm,

36) Offizieller Bericht über die zur Entsetzung von Philippsburg
durch General Sztarray vom 29ten November bis 4tcn des folgenden Monats
unternommenen Bewegungen und Angriffe, 6. 6. Mannheim, vom 15ten Dezem-
ber, in der Kalsr. Zeitung, S. 753.
37) Im Lerikon von Baden, HI, 69, wo es schließlich heißt: „Jetzt ist
Philippsburg wieder eine Landstadt, welche sich durch die applanierte Festung
und die dadurch gewonnene Feldmark von Zeit zu Zett vermehrt und verschönert."
Gegenwärtig ist das Städtlein der Sitz eines Bezirksamtes und zählt etliche über
2150 meist katholische Einwohner.
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