Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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hat seine Quellen droben im stolzen Tann des Mooswaldes, seine
Mündung bei Freistett in den Rhein. Von da, wo er bei Ebers-
weier in die Ebene tritt, bis hinauf zu den Quellen des klaren
Forellenbachs zieht sich in vielnamigen Häusergruppen die Thal- *
gemeinde seines Namens.
Aus dem Vorsprunge des Höhenzugs, der vom hohen Moos-
wald herabläuft und unser Thal vom Renchthal trennt, ligt
das Schloß Staufenberg mit freier prächtiger Aussicht über
die Ebene hin und in die Thäler rechts und links. Nur rück-
wärts, nach Osten zu, hemmt das stark ansteigende Gebirge
und zunächst die dichtbewachsene Höhe des Stollenwaldes
die Rundschau.
Das Schloß ist ein freundlicher Landsitz geworden; nur
wenig mehr davon erinnert an die Zeit, wo es als drohende
Landesfeste von der Höhe niedersah. Der einzige Thurm,
welchen es hat, ist ganz neuen Baues und die noch aus alter
Zeit übrigen Wohngebäude sind sehr modernisiert. Heiter mit
weißen Mauern und grünen Läden überragt diese altneue Villa
ihre weingesegnete Umgebung und lugt freudig hinaus in die
reiche Ebene, welche der Rhein durchzieht, der stolze schimmernde
Rhein, von Breisach bis gen Speier.
Ei ja, es war ein fröhliches Steigen da hinauf, Heuer im
Jahr des Heils 58, wo jedem Winzer das edelste Naß strom-
weis in die Butte quoll. In Durbach und all den Zinken
und Höfen der ehemaligen „Herrschaft Staufenberg" ist Je-
dermann Winzer. Und so war denn jedes Gesicht froh und jede
Hand rührig an der Arbeit. Mit den großen Butten, die gefüllt
1U2 bis 2 Centner wiegen, klimmen sie die steilen Weinbergpfade
wadenstark empor, und mancher hat seine Stunde Wegs und
darüber, bis er zum Ort gelangt, wo er füllt. Thalab rasseln
Wägen mit Fässern voll Most, viele lustig mit Reblaub bekränzt.
Jubelruf tönt aller Orten in den Rebbergen. ,
Der Wein ist herrlich gerathen, 22 bis 24 Gulden sind
der ordinäre Preis. Es war auch höchste Zeit, daß der Herr
solche Jahre des Segens sandte; denn noch ein paar so traurige
Fehlherbste, wie sie nun fast zehnmal übews Haupt des Reb-
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