Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

Page: 441
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badenia1859/0459
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
— 441

durch den Mund eines jugendlichen Ausrufers: „Hie, ho, Wear
will Saue kaufe, soll in Ochse laufe, hie, ho!"
Die Zahl der Gaißen mußte sich natürlich mit Ausrot-
tung der Hecken und Häger in den Gemarkungen vermindern;
dafür treibt, seit etwa 80 Jahren, der meist aus dem Unter-
lande kommende Schäfer seine Heerde regelmäßig auf den
Brachösch. Früher hielt jeder Bauer, unter Aufsicht des Sau-
hirtes, seine 5 bis 6 Stück Schafe, deren Wolle zum Haus-
gebrauch, mit Leinen zu Halbtuch gemischt, verwendet wurde.
Von größter Wichtigkeit war für die Baar von jeher der
Verschleuß des im Ueberfluß vorhandenen Getraides an Korn
und Gerste. Früher, als der Schwarzwald noch nicht die starke
Bevölkerung zälte (denn erst die Industrie hat dort neben den
großen Einödhöfen die zahlreichen Häuser und Hütten thalaus-
und abwärts gebaut), gieng die Ausfuhr beinahe ausschließlich
nach der Schweiz. Und wie der Baarer überhaupt in fort-
währendem Verkehre mit Schafhausen und Zürich stand, so hatte
er in letzterer Stadt auch seinen Hauptfruchtmarkt.
Entweder fuhr der Bauer mit seinem vierspännigen Zuge
und einer „Last" (100 Viertel "') selbst dahin, oder er stellte
sein Produkt im Dillinger Kaufhaxise ab, wo Unterhänd-
ler den Transport nach Zürich übernahmen. Gegenwärtig ist
Löffingen der Mittelpunkt des Fruchthandels, und der in-
dustrielle Wälder der Hauptabnehmer; das Kaufhaus in Vil-
lingen und das neue zu Donaueschingen sind von minderer Be-
deutung. Der freundnachbarliche Schweizer aber holt sich einen
Theil seines Bedarfes noch immer in der'Baar, wie er daselbst
auch Einkäufe an Heu und Oehmd zu machen Pflegt.
Holz war zu Zeiten unserer Aelterväter in den meisten
Gemarkungen im Ueberflusse vorhanden. Wußte ein Taglöhner,
so erzählen noch alte Leute, im Spätherbst und Winter keine
Arbeit, so ergriff er Axt und Säge und begab sich in den Wald,

10) Das Viertel „Raumaß" zu 16 Mäßle, „Glattmaß" zu 12 Mäßlen
Besen machten 16 Viertel ein Malter, Haber 16 Viertel und runde Frucht und
Gerste 8 Viertel ein solches.
loading ...