Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

Page: 496
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badenia1859/0514
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
496

den Landesherrn "), „die Hoffnung und der Trost dieser armen,
bedauernswürdigen Leute ist die Milde und Barmherzigkeit des
badischen Hauses. Dasselbe hat Fremersberg 1426 gestiftet,
seither großmüthig unterstützt und wird sich daher der letzten Mit-
glieder gewiß gnädigst erbarmen."
Dieses geschah denn auch, und sofort wurde den 17ten April
1826, gerade am vier hundertsten Jahrtage des Gottes-
hauses, nach dem Gottesdienste, bei einer Versammlung von etwa
3000 Menschen, dasselbe geschlossen. „Mit Wehmuth und
tiefer Rührung", berichtete Herr darüber an die Regierung,
„habe ich dem hohen Auftrage entsprochen und nach gehaltenem
feierlichen Hochamte die Fremersberger Kirche exsecriert und
die Heiligthümer in Verwahr genommen" ").
Sämmtliches Kirchengeräthe wurde an benachbarte arme
Kirchen abgegeben; der Haus rath aber versteigert, die Büch er -
sammlung"H nach Lichtenthal verbracht und das Klosterge-
bäude auf den Abbruch an Jemanden verwerthet, welcher aus
dem Materiale ein Wirth sh aus auf dem Plaze errichtete!
Später ließ Großherzog Leopold zur Erinnerung an das
ehemalige Fremersberger Klösterlein, besten Geschichte mit der-
jenigen seines erlauchten Fürstenhauses so eng verflochten war, auf
der Stelle, wo der Hochaltar des Kirchleins gestanden, ein hohes
steinernes Kreuz errichten. Leider aber wurde das Wirths-
haus vor mehreren Jahren in eine Privatwohnung verwandelt
und dadurch der bisher häufig besuchte Ort dem Publikum entzogen,
welches diesen Verlust immer wieder auffs neue bedauert.
Aus den Zeiten des Gasthauses auf dem Fremersberge
stammt noch ein größeres Gedicht über die letzten Tage des
Klosters und das Absterben der letzten Väter, welchem wir fol-
gende Strophen entnehmen:

16) Oe cisto Fremersberg den 14. Jänner 1826. Er verfaßte es tm
Namen des Paters Hermann, welcher „wegen Zitteres nicht mehr schreiben
konnte." Akten über Frcmersb.
17) Bericht clnto Kuppenheim, den 23. April 1826.
18) Dieselbe zählte 1400 Bände, worunter besonders eine Sammlung von
sehr alten Bibelausgaben bemerklich war.
loading ...