Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

Page: 509
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rhein vorrückte, hatten die Städte im Hegau und am Boden-
see kaiserliche Besatzungen erhalten. Ehe noch der schwedische
Feldmarschall Gustav H orn mit seinen Scharen in diese Gegend
kam, wurde dieselbe von den Wirtenbergern heimgesucht,
welche die nur von einer schwachen kaiserlichen Garnison verthei-
digte Stadt Radolsszell einnahmen. Bald aber erschien auch
schwedisches Volk, und was war natürlicher, als daß unsere
Frauen wieder ihre Zuflucht in das ruhige Schweizerland nach
Dießenhofen in's Kloster nähmen.
Sie bezogen dort ein Haus, welches man lange nachher
noch „die Sammlung" nannte. Als ihnen nach einigen Wochen
gegönnt war, wieder in die Heimath zurückzukehren, hatten sie
die Vorsicht, ihr „Hab und Gut" in den Händen der gastlichen
Dießenhofer Nonnen zu lassen. Der Schrecken kam später aber
auch in's Schweizerland (als Horn den Rhein herauf gen
Konstanz rückte), und die von Dießenhofen flüchteten nach
Rappe rsweil, wohin sie auch das anvertraute Gut des En-
gener Schwesterhauses mitnahmen.
Die bei jener Flucht mit etlichen Mägden im Klösterlein zu
Engen gebliebene Schwester Martha hatte gar große Furcht
und Besorgniß auszustehen. Vom Kapuzinerkloster her sah man
eines schönen Morgens den schwedischen Obrist Reling er mit
600 Reitern auf die Stadt losrücken. Sie schleppten den Pfarrer
und den Bruder der Frau Priorin, welcher von Oehningcn war,
gefangen mit sich fort, und ließen sie nur gegen eine „große
Ranzion" wiederum frei. Viele Leute „wurden übel geschlagen
und tribuliret". Während der Feind die Feste Hohenkrähen be-
lagerte und eroberte "ch, nahm in der Stadt und Herrschaft Alles
den Reißaus nach Oehningen, Dießenhofen, Schafhausen und
Stein, wo man den Flüchtigen viel Gutes in Essen und Trin-
ken erwies, ihnen dafür aber zumuthete, die evangelischen
Predigten zu besuchen.

2) Im Jahre 1632, unter dem Kommando des damaligen Hohentwieler
Hauptmanns Lösch; zwei Jahre nachher ließ Wiederhold, der Plaggeist des
Hegaus, das Schloß abbrennen.
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