Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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fort und fort wider Frankreich, fo that es dieses wahrlich nicht
nm der deutschen Kaiserkrone willen.
Aber selbst nicht einmal das wohlverstandene österreichische
Interesse war leitend im Ministerrathe zu Wien. Böse Dinge
spannen sich auch dort an. Wahrlich, es wäre wenig zeitgemäß,
jetzt die dunkeln Thaten jener Tage hervorzuziehen, aber soviel
muß hier gesagt werden, damit nicht dem buntscheckigen Reichs-
körper, welcher zwischen den zwei vorherrschenden Mächten in
Deutschland hin und her schwankte, zu viel Schuld zufalle.
Bei manchem der kleineren Reichsglieder war der Willen
entschieden gut; was hals das aber, wo die Organisation des
Ganzen so völlig unlenksam, so aller Rücksicht auf ein gesundes
Volksleben bar geworden war? In Oberdeutschland war
die politische Gliederung am buntesten, hier daher der rentabelste
Tummelplatz für politische Werbversuche. Es hat auch wirklich
viel Erfolg, viel Scandal gegeben; aber doch erst, nachdem der
Süden vom Norden preis gegeben war. So lange die Großen
nur Halbwegs Ernst zeigten, fo lange giengen die schwäbischen
Fürsten recht entschieden mit.
Als im Jahre 1794 die Feindesgesahr mehr an den Rhein
rückte, da sah es doch gewiß wie Entschluß zu opferbereitem Wider-
stand aus, wenn der Markgraf Karl Friedrich von Baden
rasch eine ganz tüchtige 6000 Mann starke Land miliz errich-
tete und zu diesem Zweck mit Vorderösterreich und den
andern Ständen im Rheinthal die nöthigen Vereinbarungen traf;
wenn er seine gesammte Beamtenschaft anwies, mit dem et-
waigen Rückzug des regulären Kriegsvolks sich selber zu entfer-
nen oder doch aller Dienstverrichtungen zu enthalten?).
Lange freilich dauerte dies patriotische, entschlossene Wollen
auch bei dem edlen Markgrafen von Baden nicht, und konnte
nicht lange dauern, denn Vorderösterreich und er blieben allein
1) Rescript vom 7tcn Januar 1794. Der Landmtltz Tüchtigkeit ist be-
zeugt im Schreiben des Reichsoberfeldherrn Herzogs Albrecht von Sachsen-
Teschcn vom 23sten Januar 1795.
2) Generalinstruction an alle Oberämter vom 7tcn Januar 1794 und
Geheimerathsprotokoll vom selben Tag.
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