Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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wohin es gekommen, guten Eingang gesunden habe. „Nur die
Dürrmenzer hätten die schwarzgelbe Cocarde aufgesteckt,
bald jedoch wieder abgethan."
So ganz gut muß der „Eingang" der Abmahnung doch
nicht überall gewesen sein. Die Neutralitätsplacate wurden an
vielen Orten abgerissen. Ein Generaldecret verfügte, „die-
selben, wie es die Zeitumstände erlauben, wieder zu erneuern
und zu dem Ende in Bereitschaft zu halten."
Die Zeitumstände erlaubten es indessen nicht mehr; denn
Erzherzog Karl kam schneller als Moreau. Und in den oberu
Landen, wie wenig kümmerte sich die zurückziehende französische
Armee um die so theuer erkauften Papierfetzen! Die Regierung
muß ihre liebe Noth mit Niederhaltung der österreichischen und
Reichssympathien gehabt haben. Allzu derb durfte sie doch aucb
nicht vorgehen, der Erzherzog war so nahe.
Daher schwankte sie in bittern Aengsten hin und her, und
that nichts, als unter ihren eigenen Truppen dergleichen Sym-
pathien sich kundgaben. So unter Anderem ließ mau die An-
zeige „von dem unbehutsamen Betragen verschiedener hiesiger
Herren Offiziers, insbesondere des Lieutenants Brückner, wel-
cher seit acht Tagen bei den Oesterreichern gleichsam als voton-
tuiie Dienste leistet und die Gemeinde Stoll Hofen zum Sturm-
läuten hat verleiten wollen, bei welcher Gelegenheit der dasigc
Schulz erschossen worden", gänzlich auf sich beruhen.
Das erklärt sich freilich leicht in einer Zeit, wo alle Kannen-
gießer weit und breit den General Moreau mit seiner ganzen
Armee schon für gefangen hielten. Tief in Baiern stand der
französische Feldherr, abgeschnitten von seinen Collegen, abgc-
schnitten von Zufuhren und Nachrichten aus dem Heimatland.
Deutsche Zeitungen hatten ihm die Niederlage der Sambre- und
Maas-Armee gemeldet.
Jetzt kam schlimme Nachricht von seinem Rücken her. Die
drei Bataillone und vier Schwadronen, welche er am 8ten Sep-
tember nach Kehl zur Hilfe entsendet, fanden (wie wir wissen)
d'Aspre verschanzt auf den Kniebishöhen. Sie wollten am
22sten das Kinzigthal durchziehen, da waren schon Petraschs
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