Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 2.1860-1862

Page: 33
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badenia1860_1862/0047
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Herzog Ernst von Schwaben

Nach Zage und Geschichte.

Vom classischen Altertum herab bis heute ist es eine reichlich
bezeugte Thatsache, daß an einen gefeierten Namen lawinenartig
alle möglichen Zuthaten sich ankleben, daß ein solcher Namen
typisch wird sür eine ganze Classe von Erscheinungen. Deutsch-
land liefert hievon Beispiele in Aülle.

So wird in s'einem Südwesten sast jedes sruhmittelalterliche
Bauwerk jenem König Dagobert zugeschrieben, welcher ja auch
in ernster Geschichte räthselhaft spukte, bis sie ihn (noch gar nicht
lange her) in drei Dagoberte anatomiert hat. Seine Reiterstatue
prangt z. B. an der Frontseite des Straßburger Münsters, an
dessen Bau „der gute König" so unschuldig ist, als Karl der
Große, welcher dort sein Pendant, bildet. Und dieser Karl,
wie hat die Sage seinen ganzen Lebensweg in ein buntschillern-
des Gewebe alles großartig Abenteuerlichen aus vier Jahrhun-
derten gehüllt!

Da ist ferner einer der Werkmeister des kühnen Baues zu
Straßburg, Erwin. Sein Namen ist zur Gesammtbenennung
gcworden sürMlle Meister vor ihm und nach ihm. Hat man ihm
doch selbst Sabinen, die ein Zahrhundert srühere, zur Tochter
geschenkt. Der Sage kommt es hierbei gar nicht darauf an, einen
und denselben Zug bei einer Menge ihrer Lieblinge zu wieder-
holen, bis in's kleinste Detail hinein ').

1) Vergl. z. B. die.Wanderungen, welche die Geschichte vom Nuß-
schalenfener des Bischofs Werner von Straßburg gemacht hat, bei Wat-
tenbach, die Geschichtsqu. S. 226.

Badenia, II.

3
loading ...