Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 2.1860-1862

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Martin Haizmann

Ein Sitd aus Äem neuen Baucrnkriege.

Hinter Freiburg, am Fuße des breisgauischen Schwarz-
waldes, zog sich ehedem die uralte Heer- und Weinstraße,
welche aus der Rheinebene nach Schwaben fuhrte, gegen St.
Märgen aufwärts durch ein enges Thal, desfen Namen „die
Wagensteige" diesen Bergpaß noch heute bezeichnet. Von da
läust die Straße über den Turner und holen Graben, um bei
der kalten Heerberge sofort ihre Richtung nach Furtwangen nnd
Villingen zu nehmen. Jn der Gegend des Turners nun befand
sich ehedem, neben einer vielbesuchten Oertlichkeit, das s. g,
Benediktswäldlein welches im Jahre 1613 zum „Rütle"
eines neuen Bauernkrieges erlesen war.

Unweit davon, gegen die Straße zu, ftund eine Schenke,
genannt „außm Stüble", ein geringfügiges Ding, dessen Namen
jedoch in der ganzen Landschaft einen guten Klang hatte; denn
hier versammelten sich, wenn im Herbste die Weinmener aus
dem Breisgau durch die Wagensteige herauffuhren, alle Wirtste
der Nachbarschaft, um den Neuen zu verkosten?).

Jm Frühlinge aber herrschte daselbst HLufig noch ein viel
munterer Leben. Wenn nach langer Winterszeit der Himmel

1) Es lag auf dem Gute Weiland des Vogts Beuedikt Wehrle, da-
her wahrscheiulich sein Namen.

2) Es scheint, daß eiu Theil der Weinfuhrleute mit ihrer Ladung
unterwegs Haudel triebeu, und gewisse Lagerplätze hatten, wovon der erste
„aus dem Stüblein" bei St. Margen war.

Badenia, II. 1
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