Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 2.1860-1862

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Nnmittelbar nach dem Kriegsznge ist Gisela mit dem
Kaiser in Basel und hilft dort mit ihrem Vetter, dem König
Rudols von Burgund, den Vertrag abschließen, welcher dem
deutschen Herrscher die Nachfolge in's burgundische Reich sicherte.
Dann suhr Konrad mit den Seinen den Rhein hinab bis gen
Worms. Dort brach er die Burgen Konrads des Jüngern,
weil er dem Aufstand nicht fremd gewesen, obschon er loszu-
schlagen nicht gewagt hatte.

Am Ende der Strafenliste hat nun der Chronist in ganz
cigentümlicher, geheimnißvoller Weise die Notiz, „der Bischof
Wernher von Straßburg aber sei vom Karser als Gesandter
nach Konstantinopel verwendet und aus dieser Reise wunderbar
aufgehalten worden". Er kehrte namlich nie mehr zurück.

Eine freilich nicht unverdächtige Quelle ^) sagt geradezu,
„der Kaiser habe den Bischof beseitigen wollen, es seiner
mächtigen Verwandten wegen aber nicht gewagt. Daher habe
er ihm diese diplomatische Sendung übertragen und hintendrein
einen Brief an den Griechenkaiser geschickt, worin gestanden, daß
der Bischof als ReichsverrLther verbannt sei, weshalb ihn der-
selbe auf eine Jnsel gethan und dort vergiften lassen."

Ueber des Bischofs räthselhaftes Ende werden wir nichts
Neues erkunden können, wohl aber über sein VerhLltniß znm
Aufstande des Herzogs. Der Kaiser hatte eineu leichten Sieg
gehabt, und so verrauchte denn sein Zorn desto rascher. Bald
finden wir den Welf wieder in seine Reichslehen und Aemter
eingesetzt, Konrad den Jüngern frei und Herzog Ernst sogar
wieder mit einem Herzogtum belehnt, doch nicht mehr mit Schwa-.
ben, sondern mit Baiern ^). Aber das VerhLngniß drLngte

28) Das Obroll. tXovientenso. *

29) Die Belehnungsgeschichte mit Baiern beruht auf der Urkunde über
Weißenburg im Nordgau bei kHkenst. Ooä. clipl. svt. iXorÜA. und
bei Leesril, eorsi. Nist. Il, p. 100: „ilrieatum Log'aiioum sibi trsüi-
ilim us." Die Uebertragung war aber nur der symbolische Voract der Ein-
führung. Herzog Ernst heißt übrigens am 27. März 1029 ^lamanno-
rum äux inolvtus, s. Tschudy, Schw. Chron. I, 11 und Senkenberg,
8oI. gur. ot bist. p. 257. Er war also frei und sührte den Titel Herzog
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