Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 2.1860-1862

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Kreuzer an Münze mit auf den Weg erhielt. Jn diesem Angen-
blike loderte von dem Holzwerke des Bergthnrmes, welches
der Feind angezündet, die Flamme als Trauersignal in die
blaue Luft empor."

„Der Feldmarschall Villeroy hatte sich beim Danphin
mitleidsvoll für die Durlacher verwendet, war aber an den
Marschall Duras gewiesen worden, welcher unerbittlich blieb
und die Ausführung der königlichen Ordre dem rechten Mann
übertrug — dem Mordbrenner Mülac. Sofort wurden (nach-
dem man das fürstliche Münzkabinet und Archiv noch hatte
retten können) die Straßen mit Stroh und Pechkränzen angefüllt
und Tags darauf, den^lstteu Angust, die Gebäude der Stadt
in einen gräßlichen Schutthaufen verwandelt."

Dieser Schilderung, welche größtentheils dem lateinischen
Aufschrieb des damaligen Durlächer Professors Bulyowsky ent-
nommen scheint H, füge ich ergänzend noch das Wenige bei, was
derselbe von dem traurigen Auszuge der Bürgerschaft erzält.

„Als Melac's Mordbrennerbande am 3ten August vor
Durlach erschien, war dcr Hof mit vielen Einwohnern schon ent-
flohen. Sonntags den 4ten, wo der herkömmliche vorgeschrie-
bene Predigttext von der Zerstörung Jerusalems die Angst
der Gemüther noch erhöhte, sah die Stadt sich genöthigt, ihre
Thore zu öffnen, und am 5ten fand die allgemeine Plünde-
rung durch die Franzosen statt."

„Während dieser fürchterlichen Stunden wurden wir, die
Zurückgebliebenen, alle im Schloßhofe zusammengesperrt
und erst gegen Abend zum östlichen Thvre hinaus gelassen. Wir
namenlos unglücklichen Menschen wanderten in einzel-
nen Haufen über die Berge, auf deren Höhe wir gegen Osten
eine große Feuersbrunnst swahrscheinlich in der Gegend von
Pforzheim) erblickten."


tanden, am Rhein und in Ungarn, 1688 zum Generalfeldzeugmeis'ter des
schwäbischen Kreises ernanni worden. Er fiel durch seine Korpulenz all-
gemein auf, und starb 1703 zu Pförzbeim ohue Manneserben.

7) Gehres I, 11-6. Bierordi, Gesch. der 1724 von Durlach nach
Karlsruhe verpflauzten Mittelschnle, S. 32,
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