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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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https://doi.org/10.11588/diglit.42536#0060

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F. Moog

der Silexbearbeitung entdeckt, aber nichts, was mit Wyhlen vergleichbar wäre". Die
Frage, ob es schon vor dem Jungpaläolithikum Geräte bzw. Hilfsgeräte aus Knochen
gegeben hat, hat in den letzten Jahren an allen altpaläolithischen Fundstellen alle Kno-
chen aufs Genaueste untersuchen lassen, aber nichts wurde beobachtet, was hier zu er-
wähnen wäre. Dagegen hat D. Peyrony aus dem Mousterien von La Ferrassie (Dor-
dogne) ein Knochenstück mit parallelen und schrägen Querstrichen über einem Skelett und
ein anderes mit queren Mulden (und durch lange Benützung abgestumpften Kanten) ver-
öffentlicht", und der Liebenswürdigkeit von R. Baufreh verdanke ich den Hinweis auf ein
unveröffentlichtes Knochenstück von Pech de l'Aze (Dordogne)", auf dem einige längere
parallele Striche eingraviert sind. In der Mousterienschicht von La Ferrassie fand
Pehronh ferner den ältesten bekannten Schalenstein und hebt die Doppelung der Schäl-
chen darauf ausdrücklich hervor "st La Ferrassie und Pech de l'Aze gehören aber an den
Anfang der letzten Eiszeit, und vor allem handelt es sich nur um einzelne Stücke aus einem
großen und gut erhaltenen Knochenmaterial und um einfachste Gebilde, die keinen Ver-
gleich mit der Kerbreihe von Wyhlen aushalten. — Aus der Fundstelle des Sinanthropus
oder von den Knochen, die W. Sörgel und andere Geologen aus altdiluvialen Kiesen auf-
gelesen und als vom Menschen bearbeitet angesprochen haben, ist ebenfalls nichts Ver-
gleichbares bekannt. — Man könnte ferner vermuten, in rißeiszeitlichen und älteren Kul-
turen sei eine ähnliche Kunstübung auf Knochen vorhanden gewesen, aber durch die nach-
trägliche Abrollung der Stücke ausgelöscht worden; aber die Endstufen dieser Kulturen
reichen, nimmt man an, bis in die Höhlensieölungen der beginnenden Würmeiszeit, vollends
enthält Castillo eine Abfolge mannigfacher Kulturgruppen von der Rißeiszeit an, ohne
Vergleichbares aufzuzeigen.
Die Kunstübung des Jungpaläolithikums (beginnend mit dem Aurignacien) läßt sich
in ihrer Entwicklung in den Höhlen Rordspaniens und Südfrankreichs auf Knochen und
Felswänden gut verfolgen; einige der Ergebnisse dieser überaus sorgfältigen Unter-
suchungen lassen sich vereinfacht etwa so formulieren: 1. das Aurignacien ist von Osten
eingewandert; 2. seine Kunst durchläuft in Frankokantabrien eine Entwicklung aus ein-
fachsten Anfängen; 3. naturnah-öarstellende und geometrisch-ornamentale Kunst treten
gleichzeitig auf; 4. das südosteuropäische Aurignacien bildet eine Sonderprovinz mit
überreicher ornamentaler Kunst (Mäander u. ä.) aus; 5. vor dem Auftreten der naturnah-
darstellenden Kunst sind Vorstufen, Anläufe zu bemerken, nämlich farbige Abklatsche von
Händen, also mechanische Reproduktionen, und Strichgruppen, die mit drei Fingern im
Lehm der Höhlenwände und meist in Wellenlinien gezogen wurden, die sog. „Makkaroni"".
Die Entwicklung des frankokantabrischen Ornaments hat H. Kühn verfolgt". „Das
älteste Ornament ist das des mittleren Aurignacien. Es sind leichte Einkerbungen, kurze
Striche rechts und links an meist flachen Stäben", andere sind „ganz mit Punkten über-
sät". „Manche der Linien sind paarweise — immer zu zweien — angebracht. Aus all diesen
Momenten ergibt sich, daß es sich tatsächlich um Schmückung, um Ornamente handelt."
„Die genauere Untersuchung ergibt, daß an den ältesten Stücken nur Ranökerbung be-
" H. Martin, Recbercüea sur Revolution, cku Ickousterien. ckans le gisement cke Im
Quinn. I. Os8ernent8 utiÜ8e8. 1907 (316 S.!); zuletzt in k>rebi8toiro V, 19)6.
" in: Prebi8toine 5, 1954, 24 luß. 25. dckounterien. t^pique.
" erwähnt: iü'Antbrop. 45, 1955, 42/5 (dlouaterien mit Acbeultrackition).
"a In Altendorf (vgl. I. Andree, Der eiszeitl. Mensch in Deutschland und seine Kul-
turen, 1939, S. 380, Abb. 194) ist die Lagerung gestört. — Ein Gegenstück zur Kunst ist der
Körperschmuck. Auch er tritt in voller Ausbildung erst im Jungpaläolithikum auf, und die
spärlichen Vorläufer sind jünger als Wyhlen (Anhänger: Ehringsdorf-Taubach; Kl.Pe-
terwitz, Docksteinschmiede, Cotencher; Ocker: La Ferrassie).
"K a.O. S. 34 in Übersetzung: „... eine Schale vergesellschaftet mit einer Serie von
Punkten oder Schälchen. Wir hatten ganz zu Anfang geglaubt, daß diese Löcher natürlich
seien. Indessen, nach aufmerksamer Prüfung, haben wir Unterschiede von solchen bemerkt,
die uns ihren künstlichen Ursprung zu bestätigen gestatten. Ihre Regelmäßigkeit, und vor
allem ihre Anordnung zu zweien (äisposinon par äeux) haben uns überzeugt, daß sie nur
das Ergebnis menschlicher Arbeit sein können."
" zuletzt: H. Vreuil und H. Obermaier, lüe Save ok Altamira. Reue Auflage.
Madrid 1935.
" Kunst und Kultur der Vorzeit Europas. Das Paläolithikum. 1929, 300 ff.
 
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