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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0027

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Das Alter der paläolithischen Fundstelle am Ölberg bei Ehrenstetten, Ldkrs. Freiburg

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nicht mit ihm vermengt ist. Erb20) hat in einer kleinen Arbeit auf diese Ab-
folge der glazialen Bildungen hingewiesen: Der Säuberung der Kalkvorberge vom älteren
Löß- und Lößlehm durch starke Niederschläge folgte unmittelbar ein kaltarides Klima
mit physikalischem Gesteinszerfall ohne erkennbare chemische Verwitterung, dann, eben-
falls unmittelbar anschließend, die Eindeckung durch jüngeren Löß und damit die Kon-
servierung des Spaltenfrostbodens. Es kann hier noch erwähnt werden, daß ich gleiches
auch am Phonolith von Oberschaffhausen und an basaltischem Gestein bei Amoltern im
Kaiserstuhl beobachtet habe. Alle diese Stellen liegen nicht an steilen Hängen, sondern
auf ebenen oder wenig geneigten Flächen, wo während eines ariden Klimas eine Bewegung
des Schuttes und des Lößes nicht möglich war. Beide Bildungen, Frostbruchschutt und
Löß, sind während eines eiszeitlichen Klimas entstanden. Wäre gleich nach der Schutt-
bildung keine Lößablagerung gefolgt, so hätte sich der Gesteinszerfall weiter fortgesetzt.
Am Schuttkegel des Ölbergs konnten während der ganzen Zeit der Lößbildung beide
Vorgänge nebeneinander stattfinden: das Zerfrieren der lößfreien senkrechten
und zum Teil überhängenden Felswand und die Ablagerung des Lößstaubes. Es ergibt
sich also kein Widerspruch zu den Beobachtungen von Erb.
Unterhalb des höchsten Punktes des Schuttkegels, aber nur hier, wurde im L ö ß eine
Einlagerung aus rotbraunem steinigem Lehm festgestellt, die un-
mittelbar am Felsen 80 cm Stärke erreichte und nach dem Abhang hin in 2 m Entfernung
auskeilte. An einer Stelle fand sich, durch Löß von ihr getrennt, eine zweite schwächere
derartige Masse.
Auf keinen Fall handelt es sich dabei um eine Verwitterungsschicht, die sich aus dem vor-
her abgelagerten Löß an Ort und Stelle gebildet hätte. Denn ihre Grenze gegen den Löß
war überall äußerst scharf. Die Form dieser Massen spricht auch ganz entschieden gegen
die Annahme, daß etwa eine ältere rotlehmige Verwitterungsschicht dem bereits gebilde-
ten Löß durch Verschwemmung aufgelagert worden sei. Wahrscheinlich ist ein
größerer derartiger Lehmblock von irgendeiner Stelle der Felsenfront herabgestürzt,
beim Aufprallen auf den Löß zertümmert und linsenförmig ausgebreitet worden. Wir
haben kein Recht, diesen roten Lehm etwa als Verwitterungsbildung oder Abschwemm-
masse zu deuten, die während einer der Lößbildung eingeschalteten Interstadial- oder
Interglazialzeit entstanden wäre. Denn die in einer solchen Zeit eingetretene Milderung
der Temperatur und Vermehrung der Niederschläge müßte sich nicht nur an dieser
beschränkten Stelle, sondern überall im Schuttkegel in Form einer verstärkten Verwitte-
rung des Lößes ausgewirkt haben.
Die Schicht C enthielt auch einige Schneckenschalen, die den Arten Fruticicola hispida,
Succinea oblonga und Pupilla muscorum angehören. Diese werden oft als Lößschnecken
bezeichnet, obwohl sie in quartären Ablagerungen der verschiedensten Entstehungsart
häufig gefunden werden. Charakteristisch ist für den an den Gehängen äolisch abgelager-
ten Löß lediglich, daß, wenn er überhaupt Schnecken enthält, allein diese Arten vor-
kommen. Deshalb darf die Schneckenarmut der Schicht C als ein ebenso bündiger
Beweis für die eiszeitliche Entstehung angesehen werden wie ihr Gehalt
an Lößmaterial und unverwittertem Rogensteinschutt.

20) Erb, L., Ein begrabener diluvialer Spaltenfrostboden im Breisgau. Bad. Geol. Abh. 5, 1933, 132.
 
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