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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0046

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Elisabeth Schmid und Rudolf Maier

gelangen können. Die Beobachtung des einen Arbeiters von „brungäle“ Lehm (siehe
S. 38) läßt auf eine Grube schließen, doch fehlen leider alle bestätigenden Begleit-
funde. Die nach R. R. Schmidt einst vorhanden gewesene weiße Übersinterung (siehe
S. 38) ist theoretisch auch in einer Grube möglich, jedoch nach meinen bisherigen
Erfahrungen nie in so völlig gleichmäßiger, dünner Lage, daß dadurch das Stück
lediglich „weiß“ geworden wäre und nicht auch einzelne dickere Sinterkrustenteilchen
an manchen Stellen angehaftet hätten. Solche Unregelmäßigkeiten sind jedoch nirgends
verzeichnet; die sonst präzisen Aussagen der Grenzacher geben ebenfalls keinerlei
Hinweis darauf.

Die Harpune (E. Sch.)
Die Harpune, deren Länge 21,8 cm beträgt, ist in ihrem mittleren Teil zwischen 3,3
und 3,4 cm breit, wovon auf den Mittelgrat, d. h. also den Schaft der Harpune,
1,6 cm fallen. Der nicht durch besondere Markierung, sondern lediglich in der Be-
grenzung durch die Kerben als Schaft erkennbare Mittelteil ist gleichmäßig dick.
Diese Dicke beträgt außer an den Endpartien 0,6 cm; einzig etwas oberhalb der Mitte
nimmt sie bis auf 0,7 cm zu. Die angegebenen Größen gelten nur genau für die Mittel-
linie, von wo aus Schaft und Zacken gleichmäßig bis zu den Zackenrändern ausdünnen.
Der Schaft verläuft, wie die ganze Harpune, in leichter S-Schweifung (Abb. 4). Diese von
oben erkennbare, nach den Seiten ausschlagende Schweifung wird dadurch noch verstärkt,
daß das Stück auch von oben nach unten leicht geschweift ist, wozu im untersten Teii
noch eine geringe Torsion kommt.
Nach einer leichten Kerbe, 9 mm von der Spitze entfernt, stehen auf der linken Seite
neun Zacken, während auf der rechten zehn Zacken ausgeschnitten sind. Der Umriß
der Zacken verläuft zunächst unmittelbar unterhalb der sie abtrennenden Kerbe leicht
konkav gebogen, dann in einer Geraden schräg nach außen. Mit einem stumpfen
Winkel biegt sie sodann nach unten um, so daß die bis zu 0,9 cm lange Außenkante
parallel zur Mittellinie verläuft. Nur an der untersten Zacke rechts und links kon-
vergieren die Außenkanten nach unten, wobei die Verlängerungslinie des Umrisses
sehr schön hinabführt zur Umrißlinie der Basis. Derartige Zacken treten im Mesolithi-
kum häufig auf, nie aber so dicht und in so großer Zahl, während sie im Neolithikum
meist einfach spitz auslaufen.
Die Kerben sind jeweils nur von einer Seite aus bearbeitet worden, und zwar von
einem Rechtshänder. Dabei wurde das Werkstück quer gehalten. Das Schneide- oder
Sägeinstrument wurde nicht senkrecht, sondern etwas schräg geführt, wodurch die
untere Kantenfläche der Zacken links sehr schräg von vorn-oben nach hmten-unten
verläuft, auf der rechten Seite jedoch umgekehrt, wenn auch weniger ausgeprägt. Hier
sind die Kerben von der Rückseite aus bearbeitet worden. Die inneren Kerbenwinkel
zeichnen sich durch besonders eingetiefte Rillen aus, neben denen noch kleine Absätze,
vor allem an den linken Kerben, die in einen etwas dickeren Teil des Schaftes hinein-
reichen als die rechten, eine nachträgliche Überarbeitung durch Feilen oder Sägen der
Kerben erkennen lassen.
 
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