Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0135

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Zur Kontinuität der voralamannischen Bevölkerung

129

auch somatisch von ihren Herren abheben, mit anderen Worten, die Toten mit ein-
facheren oder gar keinen Beigaben wären dann kurzköpfiger* * * * * * * 13) und kleinwüchsiger als
die Toten mit reicheren Beigaben14).
Unsere Untersuchung mußte sich auf diejenigen Gräberfelder beschränken, für die
sowohl die archäologischen Angaben als auch die anthropologischen Maße, nach Grab-
nummern geordnet, in der Literatur oder in den Fundakten und Aufzeichnungen der
wissenschaftlichen Institute und Sammlungen vorlagen. Denn nur dort, wo das Ma-
terial nach Gräbern aufgeschlüsselt vorlag, war eine Gegenübensteilung des archäo-
logischen und anthropologischen Befundes nach den obengenannten Gesichtspunkten
möglich.
Wir haben so zwei alamannische Friedhöfe aus dem vormaligen Limes-Hinterland,
Hailfingen (Württemberg) und Mengen (Baden), vier alamannische Friedhöfe aus der
Schweiz, Elgg (Kt. Zürich), Oerlingen (Kt. Zürich), Aadorf (Kt. Thurgau), Bümpliz
(Kt. Bern), und zum Vergleich auch einen galloromanischen Friedhof, Kaiser äugst A
(Kt. Aargau)15), bearbeitet. Auf die alamannischen Gräber des Elsaß und Bayrisch-
Schwabens treffen die genannten Bedingungen für die Aufbereitung des Fundgutes
nicht zu, so daß sie leider nicht herangezogen werden konnten.
Immerhin besitzen wir in den Gräbern aus dem ehemaligen Limes-Hinterland Belege
aus dem Gebiet der ersten alamannischen Landnahme, wo die Vorbevölkerung nach
der Eroberung wohl am sichwächsten vertreten war, in den Gräbern aus der Schweiz
hingegen Belege aus der letzten alamannischen Landnahme, bei der die Vorbevölke-
rung am zahlreichsten verblieben sein dürfte16).
Schwierig war es bei dem unterschiedlichen Charakter der bearbeiteten Friedhöfe, ein
brauchbares Merkmal für die Scheidung der reicheren von den einfacheren Beigaben
zu erhalten. Bei der Mehrzahl der Friedhöfe, nämlich jeweils von Hailfingen, Mengen,
Elgg, Oerlingen und Aadorf, wurden die Männergräber, die an Waffen entweder das

n) Wir folgen hier der Auffassung der Münchner und Tübinger Anthropologenschule, daß die
Schädelbildung ein erbliches Rassenmerkmal darstellt und daß Änderungen der Kopfform
weitgehend durch Rassenmischung bedingt sind (vgl. u. a. P. Kramp, Anthropol. Anz. 15,
1938, 162 f.; 17, 1940, 240 ff.; N. Lahovary, Bull. Schweiz. Ges. f. Anthrop. und Ethnol. 23,
1946/47, 23 ff.). Daß auch daneben uns noch unbekannte Umweltsfaktoren für eine Umgestal¬
tung der Kopfform ursächlich sind (vgl. E. Fischer in Ztschr. f. Morphol. und Anthropol. 24,
1924, 37 ff.), soll nicht bestritten werden. Sie treten aber nicht so stark in Erscheinung^ daß
dadurch das Erbbild ganz verwischt würde.
14) Ein Zusammenfallen langschädeliger Toter mit reichen Beigaben und kurzschädeliger Toter
mit armen Beigaben wurde bereits von C. Mehlis (Arch. f. Anthropol. 19, 1891, 23 ff.) bei
dem fränkischen Gräberfeld von Obrigheim bei Worms und von G. Riek (Fundber. Schwaben
NF 5, 1928/30, 106 ff.) bei den alamannischen Friedhöfen V und VI von Hailfingen, Ldkr.
Tübingen, beobachtet. Beide Forscher haben ihre Ergebnisse nur mit wenigen summarischen
Sätzen, ohne nähere Belege, zu Papier gebracht, so daß sie entweder von der Wissenschaft
nicht beachtet wurden oder, wie von E. Hug (a. a. O. 382), mit einer Bemerkung ohne Wider-
legung abgetan werden konnten.
15) Uber das galloromanische Volkstum der Toten von Kaiseraugst A vgl. R. Laur-Belart Jahrb.
Schweiz. Ges. Urgesch. 35, 1944, 180, und R. Straub, Zur Geschichte der Alamannen in der
Merowingerzeit, Diss. phil. Freiburg i. Br. (1952) 185—201 (maschinenschriftlich).
16) Vgl. G. J. Wais a. a. O. 199 ff.

9
 
Annotationen