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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0150

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Albrecht Dauber und Wolfgang Kimmig

Bereich der Wetterau Fibeln des Bettinger Typs noch mit Nauheimer Fibeln zusammen
vorkommen7), doch zeigt dies wohl nur, daß die Übergänge eben fließend sind. Im
übrigen wird noch zu zeigen sein, daß auch die anderen Beifunde der Bettinger Gräber
gleichfalls jenem „älteren Spätlatenehorizont“ entsprechen, wie ihn Schönberger für die
benachbarte Wetterau herausgestellt hat.
Wesentlich schwieriger zu bestimmen ist die obere Zeitgrenze, die den Beginn von
Gräbern der Bettinger Art anzeigt. Da die Latenestufe C (nach Reinecke) für weite
Gebiete des deutschen Südens unter Einschluß des nördlichen Oberrheingebietes prak-
tisch ausfällt8), wird sich das Spätlatene in diesen Gebieten unmittelbar aus einem späten
Frühlatene heraus entwickelt haben. Freilich muß darauf hingewiesen werden, daß die
Sonderstellung des Reineckeschen Mittellatene vor allem auf der abweichenden Keramik
von Manching9) beruht, während sich die Begleitfunde, wie Waffen, Fibeln usw., durch-
aus geläufigen Formen aus dem übrigen Süddeutschland anschließen. Läßt man also die
Keramik beiseite — und gerade keramische Sonderentwicklungen überraschen in einem
so weit gespannten Rahmen wirklich nicht —, so müßte es auf Grund der drahtförmigen
Fibeln vom Mittellateneschema möglich sein, größere Lateneprovinzen miteinander zu
verbinden. Wann freilich der Typus der „Mittellatenefibel“ zeitlich einsetzt, darüber
fehlen bis heute weitgehend die Unterlagen, was damit Zusammenhängen mag, daß
Spezialuntersuchungen für die einzelnen Fibelgattungen noch nicht in Angriff genom-
men sind. Will man absolute Daten gewinnen, so wird man am besten vom Waldalges-
heimer Grabfund ausgehen, dessen unteritalischer Bronzeeimer nach Jacobsthal „um
300“ anzusetzen ist10). Der noch ganz nach Frühlateneart gearbeitete Goldschmuck
kennzeichnet gleichzeitig die Phase des „plastic style“, dem andererseits auch die so-
genannten Hohlbuckelringe (Nußringe) angehören müssen, die bisher meist der Stufe C
zugewiesen worden sind. Tatsächlich enthalten die Gräber 10 und 11 von 1902 in
Manching11) solche Hohlbuckelringe im Verein mit paarweise vorkommenden kleinen
Bronzefibeln, die noch durchaus nach später Frühlateneart gebildet sind. Grab 10 ent-
hält ferner eine Eisenfibel12), deren Mittelstück zwar ausgebrochen ist, die aber gleich-
wohl deutlich erkennen läßt, daß es sich um eine drahtförmige Fibel vom „Mittellatene-
schema“ gehandelt haben muß. Es. gibt also in Manching einen älteren Bestand13), der
offenbar gerade an der Wende vom Früh- zum Mittellatene gelegen ist und den man

7) H. Schönberger in: Saalburgjahrbuch a. a. O. 50. — Auch die aus Bettingen, Grab 2 (Taf. 21,
C 1) stammende Fibel mit Fußrahmen macht einen etwas jüngeren Eindruck.
8) F. Fischer in: Goesslerfestschrift a.a.O.38. — H. Schönberger in: Saalburgjahrbuch a.a.O.65.
9) Alt. heidn. Vorz. 5, 288 mit Taf. 51. — Beitr. z. Anthr. u. Urgesch. Bayerns (in Zukunft
BAUE abgekürzt) 11, 1894, 34 ff. mit Taf. 1-—4; 16, 1905, 19 ff. mit Taf. 3 —14.
10) P. Jacobsthal, Early Celtic Art (1944) 141 („very late fourth Century“). — Literatur über
Waldalgesheim am besten zusammengestellt bei W. Dehn in: Kat. Kreuznach a. a. O. 128 mit
Anm. 284—287.
n) BAUB 16, 1905, 59/60 mit Taf. 12.
12) BAUB 16, 1905, Taf. 12, 4.
13) Vgl. Anm. 9. Im übrigen entsprechen solche Beobachtungen auch den Bemerkungen W. Krä-
mers (Reinecke-Festschrift 92 mit Anm. 34), der neben den Hohlbuckelarmringen auch weite-
ren Frauenschmuck, ferner bestimmte Waffenausrüstüngen noch der (späten?) Stufe B zu-
teilen zu können glaubt. Seine leider noch immer ungedruckte Arbeit über die Grabfunde
der Latenezeit aus Südbayern würde hier vermutlich wesentlich weiterhelfen!
 
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