Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0152

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
146

Albrecht Dauber und Wolfgang Kimmig

Arbeit von Werner Krämer noch nicht erschienen ist. An Möglichkeiten für eine solche
Gliederung fehlt es sicher nicht. Was die Typologie anbelangt, so haben schon Wiedmer
und Viollier22) und nach ihnen Kraft/Gießler23) etwa die Entwicklung der Fibeln ver-
folgt, von denen anscheinend Fibeln mit großem Vasenkopf24 noch bis in die Mittel-
latenezeit fortdauern. Vielleicht wäre also ein Grab wie Wachenheim zum älteren Be-
stand des Mittellatene zu rechnen. Untersucht werden müßte ferner die Belegungs-
geschichte der Friedhöfe, die mindestens z. T. noch in der späten Frühlatenezeit zu
beginnen scheinen. Manching wurde schon erwähnt, das gleiche scheint in Wallertheim
der Fall zu sein, wo seit 1949 eine Reihe von Frühlatenegräbern bekannt geworden
sind23 *). Das von Schermer „Mittellatene“ genannte Grab 22ß) könnte gleichfalls der
älteren Phase dieser Stufe angehören, vor allem wenn man die glättverzierte Flasche in
Betracht zieht, die diese Technik offenbar von der Hochwald/'Nahegruppe der jüngeren
.Hunsrück/Eifelkultur übernommen hat27). An dieser Stelle darf vorgreifend auch Bet-
tingen, Grab 4 genannt werden (Taf. 25, B), dessen Schale nach Profil und der auch
hier zu beobachtenden Glättverzierung einen gleichfalls altertümlichen Eindruck macht.
Der im gleichen Grab enthaltene Hohlarmring mit Stöpselverschluß (Taf. 25, B 3) sowie
die Fibel mit den großen auf geschobenen Kugeln (Taf. 25, B 4) fügt sich gut in diesen
Rahmen ein. Vielleicht läßt sich also auch in Bettingen eine ältere Gräberschicht er-
schließen. Zu prüfen wären ferner die Gräber mit gallischen Nachprägungen von Sta-
teren Philipps IE von Makedonien28). Auch wenn heute die Vorstellung vorherrscht,
daß die Übertragung solcher Münzen an die Gallier durch die Römer und nicht durch
Massilia erfolgt ist (Siege des Domitius Ahenobarbus über die Arverner 121 v. Chr.)29),
so käme man mit solchen Grabfunden doch wenigstens in die 2. Hälfte des 2. Jahr-
hunderts. Was freilich den nicht ganz gesicherten Fund von Dühren angeht, so hebt
Werner hervor, daß das in ihm enthaltene bronzene Geschirr (Kanne und Pfanne)
keinesfalls über das 1. vorchristliche Jahrhundert hinausgeht, ja, daß die Masse solcher
Bronzegefäße sogar erst den letzten Jahrzehnten des 1. Jahrhunderts angehört30). Was

22) Vgl. Anm. 15.
23) Untersuchungen zur frühen und älteren Latenezeit am Oberrhein u. i. d. Schweiz in: Ber.
RGK. 32, 1942, 20 ff.
24) z. B. Wachenheim in: G. Behrens, Bodenurkunden a. a. O. 60 Abb. 218, 8.
25) Mainz. Zeitschrift 44/45, 1949/50, 17 ff. Abb. 7/8. — Auch das, leider nur ganz unvollstän-
dig abgebildete, Gräberfeld von Darmsheim, Kr. Böblingen (O. Paret in: Fundber. Schwab.
NF. 11, 1938—50, Teil I, 88 f. mit Taf. 8, 5 und 9, 1, benutzbar nur mit dem wesentlich
ausführlicheren und genaueren Bericht von G. Beiler in: Nachrichtenbl. f. d. Vorz. 16, 1940,
13 f. mit Taf. 6, 1) beginnt mit Skelettgräbern der Frühlatenezeit (nicht Mittellatene wie
Beiler), an das sich Brandgräber der Mittellatenezeit anschließen. Nach der Beschreibung ent-
sprechen letztere auffallend gut unseren Bettinger Gräbern, vor allem das von Beiler gebor-
gene Grab.
20) ebenda 20 Abb. 12.
27) W. Dehn in: Marburger Studien 34 ff.
28) z. B. Dühren, Kr. Sinzheim in: E. Wagner, Fundstätten u. Funde . . . aus Baden (1911) 332 f.
Abb. 273 oder Alt. heidn. Vorz. 5, 73, Taf. 15. — Langdorf bei Frauenfeld, Horgen, Vevey
und Biel in: Anz. Schweiz. Altertumskde. NF. 12, 1910, 1 ff. mit Abb. 3.
29) Germania 18, 1934, 49 f. (B. Saria).
30) Bayr. Vorgesch. Bl. 20, 1954, 43 ff. Mit Dühren erst in die 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts
herunterzugehen scheint uns allerdings kaum möglich.
 
Annotationen