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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0185

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Rundschau 1952—1953: Jüngere Steinzeit

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Schichten von hellbraunem Sand wie auch rostrot verwittertem Kalkkies verstreut und auch
nesterbildend bandkeramische Scherben, Knochengeräte, Silices und kleinstückiger Rutenbewurf.
Keine Kulturschicht. Nach den Fundumständen ist Schwemmlage anzunehmen.
Funde : 1. Rand-, Wand- und Bodenscherben von kleineren und größeren Gefäßen, glatt und
verziert, mehrfach Knubben und Traglappen. — 2. Unterteil eines großen Vorratsgefäßes mit
Kranz von drei vertikal gestellten ösenhenkeln. Oberteil fehlt (Taf. 31, 11). — 3. Horn- und
Knochengeräte, darunter ein als Schlittschuh oder Kufe deutbarer Mittelfußknochen eines Hirschs.
Seine Zugehörigkeit zur Bandkeramik ist nicht gesichert, die Möglichkeit urnenfelderzeitlichen
Alters ist nicht von der Hand zu weisen. — 4. Massenhaft Silices, darunter Stirnschaber, Sichel-
klingen mit Lackglanzpatina, randretuschierte Spitzklinge, Absplisse und Nuclei. Material: Ein-
heimischer Jurahornstein und Bohnerzhornstein. — 5. Kleinstückiger Rutenbewurf (Wa 52/25-—■
52/28).
2. Neue Heimat, Lgb. Nr. 248/1.
Durch die Südwand der Baugrube wurden ein Spitzgraben spitzwinklig und nahe der Südwest-
ecke eine bandkeramische Grube sowie mehrere Pfostenlöcher etwa in der Mitte durchschnitten.
Die Grube selbst wurde von einem rechtwinklig zur Längsachse angelegten, 0,50 m breiten
Wasserleitungsgraben nochmals in zwei ungleiche Hälften zerlegt. Die Fortsetzung des Spitz-
grabens fand sich im Bereich der Nordwestecke der Baugrube aufgeschlossen. Die von J. Schneider
eingeleitete Untersuchung wurde von Eg. Qersbach fortgeführt und zu Ende gebracht. Insgesamt
gelangten 40 qm über der bandkeramischen Grube zur Abdeckung, und außerdem wurde ein
Schnitt durch den Spitzgraben niedergebracht.
a) Die Grube
Rest einer typischen, unregelmäßigen Grube mit ausgeprägter Tiefengliederung und einem nach
Süden vorspringenden Zipfel. Die Grubenumrisse wurden in durchschnittlich 0,50 m Tiefe mit
Erreichen einer Splittschicht aus im Durchmesser meist unter 5 cm großen, scharfkantigen Kalk-
stücken (Kalkkies) bzw. einer korrespondierenden rotbraunen, zähen Lehmschicht faßbar. Die
größte Tiefe lag bei — 1,70 m unter Oberkante Humus. Die Füllmasse bestand aus einer weniger
fundreichen rötlich-braunen bis grauschwarzen Schicht im Oberteil, die nach unten in eine spek-
kige, stellenweise auch sandige, völlig schichtungslose Masse überging. Darin eingeschaltet viel
Holzkohle, oft nesterartig beisammenliegend, ferner rot verbrannter Rutenlehm und Aschelinsen.
Mit zunehmender Tiefe nahm die Fundhäufigkeit zu; sie erreichte auf dem Boden der Grube
ihren Höhepunkt.
Funde: 1. Feinkeramik, meist verziert, aber auch glatt oder mit kleinen Knubben. Rand-,
Wand- sowie Bodenscherben von Kümpfen, Bechern, Flaschen und Schalen (Taf. 31, 1—10). -—
2. Grobkeramik, darunter Rand- und Wandscherben großer Vorratsgefäße mit ösenhenkeln und
Traglappen. — 3. Mehrere Knochen- und Horngeräte, darunter Pfriemen und Spatel, beachtens-
wert das Basisbruchstück vermutlich von einer flachen Harpune. — 4. Massenhaft Silices, dar-
unter Stirnkratzer, Schaber, Stichelklingen mit Lackglanzpatina, Klingen, eine kleine Pfeilspitze
sowie Nuclei und Absplisse. Material: Einheimischer Jurahornstein und Bohnerzhornstein des
Oberen Malm des Randens und Klettgaus. — 6. Ein zerbrochener Reibstein. Ferner Tierknochen,
deren Bestimmung dem Bericht angefügt ist, darunter ein Eckzahn vom Bär (Wa 52/1—52/24).
Anstelle der Beschreibung der Einzelprofile sei hier folgendes Normalprofil wiedergegeben, das
mit nur ganz geringfügigen Abweichungen in Schichtung und Mächtigkeit für sämtliche Auf-
schlüsse gilt. Es folgen von oben nach unten:
1. Humus, bis —-0,30 m.
2. Schwärzlich-braune, humose Schicht mit eingeschaltetem Kalksplit, ■— 0,30 m bis — 0,50 m.
3. Rotbrauner zäher Lehm, stellenweise Kalkkies, — 0,50 m bis -— 0,60 m.
4. Hellbrauner, sehr harter, sandiger Lehm, — 0,60 m bis — 1,80 m. Dieses Stratum ist im Profil
des Spitzgrabens nur bis — 0,80 m entwickelt. Darunter folgt dort zementhart verbackener
Kalkkies.
b) Pfostenlöcher
Auf der Fläche östlich zwei und westlich der Abfallgrube vier weitere kreisrunde Pfostenlöcher.
Außerdem fanden sich hier zwei lang rechteckige Verfärbungen von 0,30 X 0,82 m und 0,30 X
0,78 m mit ebener Sohle. Bei einem Zwischenraum von maximal 1,20 m verlaufen die beiden

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