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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0235

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Fundschau 1952—1953: Römische Zeit

229

Heidelberg, Stadtteil Neuenheim.
Die Erweiterung der Stadt im westlichen Teil von Neuenheim gab mit zahlreichen
Bauarbeiten (Straßenbau, Kanalisationen, Hausbau usw.) die Möglichkeit, ausgiebige
Untersuchungen über die römische Besiedlung anzustellen. Nach einer Vielzahl von
Beobachtungen, die z. T. durch kleinere und größere Grabungen erweitert werden
konnten, ergibt sich jetzt eine Ausdehnung der Siedlung am nördlichen Neckarufer auf
1,5 km Länge in West-Ost-Erstreckung.
Aus der römischen Militärzeit konnte das bisher nur in seinem Umfang bekannte Stein-
kastell ausgiebig untersucht werden. Danach wurde eine Vorgängeranlage auf dem glei-
chen Grundriß festgestellt sowie eine ältere kleinere, mit Doppel-Spitzgraben umwehrte
Holz-Erde-Anlage im Inneren des Stcinkastells. Vom Steinkastell wurde das Westtor
mit Umbauten späterer Zeit, die Wehrmauer und der Spitzgraben an West-, Nord- und
Ostseite untersucht. Im Inneren des gleichen Kastells ergab sich durch größere Erd-
arbeiten die Gelegenheit, Einblick in die Anlage des Praetoriums und seines in Holz-
Fachwerk erbauten Vorgängerbaues sowie einer Reihe von Stein- und Fachwerkbauten
der verschiedenen Lagerperioden zu gewinnen. 1953 wurde dicht neben dem Westtor des
Steinkastells ein Münzschatz gehoben, der nach den Schlußmünzen im Jahre 233 n. Chr.
niedergelegt wurde.
Mehrere aufgefundene Spitzgraben-Anlagen westlich und östlich des Steinkastells weisen
auf eine Reihe weiterer Lager hin, die nach den keramischen Funden alle noch der
zweiten Hälfte des 1. Jhdts. angehören. Die Untersuchungen über Ausdehnung und
genauere Datierung dieser Lager sind noch nicht abgeschlossen.
Nordwestlich des Steinkastells wurde ein ausgedehntes Brandgräberfeld zu beiden Seiten
der nach Ladenburg führenden Römerstraße auf gedeckt und hier bisher 170 reich aus-
gestattete Brandgräber — meist aus trajanischer Zeit — ausgegraben. Die Untersuchung
der weiteren Gräber ist in nächster Zeit geplant.
Das seiner Lage nach bekannte Militärbad südwestlich des Steinkastells wurde vor seiner
endgültigen Überbauung in den letzten Jahren in mehreren Grabungen untersucht.
Hierbei ergab sich durch die Auffindung zahlreicher Ziegelstempel eine Erweiterung
der bisher in Neuenheim bekannten militärischen Einheiten.
Auch für die bürgerliche Zeit der Siedlung konnten wichtige Beobachtungen erzielt wer-
den. Die Auffindung einer Reihe von Töpferwerkstätten in den nördlich und südlich
des Neckars gelegenen römischen Siedlungsflächen unterstreicht die gewerbliche Bedeu-
tung der Ortschaft. Neben dem üblichen Alltagsgeschirr wurde auch feinere Ware, vor
allem aber Nigra von erstaunlich konservativen Formen bis zum Niedergang der
Töpferniederlassung hergestellt. Eine Bearbeitung der reichen keramischen Funde steht
vor dem Abschluß.
Im Ortsteil Heidelberg-Wieblingen wurde in Nähe des Neckarhochufers eine bäuer-
liche Siedlung mit Fachwerkbauten aus dem 2. Jhdt. n. Chr. aufgedeckt, während in
Heidelberg-Handschuhsheim zwei reich ausgestattete Einzelgräber vom Hilzweg wohl
einem in der Nähe vermuteten römischen Gutshof angehören werden.
Mtbl. 23/6518 Heidelberg. — Verbleib: Kurpf. Mus. Heidelberg. (Heukemes)
 
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