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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0271

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Fundschau 1952—1953: Mittelalter — Neuzeit

265

einer Wand (Schmalwand) befunden hätten. Die von R. Unser aufbewahrten Scherben,
die in geringer Zahl den Gruben entnommen werden konnten, gehören ausnahmslos
dem Mittelalter an.
Funde: 1. Bauchiger Topf mit flachem Boden (Taf. 62, E 2). — 2. Topf mit Korb-
henkel. — 3. Ausgußtopf mit kurzer Tülle (Taf. 62, E 1). — 4. Becherförmige Kachel,
schwach konisch erweitert. — 5. Breiter Bandhenkel, ungegliedert, mit tiefen Einschnit-
ten oder kerbschnittartigen Eindrücken verziert (Taf. 62, E 5). — 6. Schmaler Band-
henkel mit aufgewulsteten Rändern. (Taf. 62, E 6. 7). — 7. Randstück mit Henkelansatz
(Taf. 62, E4). — 8. Randstück mit schmaler Lippe (Taf. 62, E 3).
Die Randstücke mit Übergangsformen zum gotischen Randprofil verweisen das Mate-
rial an den Anfang des 13. Jhdts. Die Scherben stammen durchweg von dünnwandigem,
hartgebranntem Geschirr, das in der Farbe von schwachem Ziegelrot bis zu stumpfem
Grau wechselt.
b) Mauerreste.
Auf demselben Raume südlich des Friedhofs und beiderseits des Kirchwegs liegen die
neun Punkte, an denen Mauerreste beobachtet worden sind. Diese Fundstellen liegen
weiter gestreut als die „Wohngruben“, es werden 30—50 m Abstand angegeben. Da
sich jedoch diese Beobachtungen meist an zufällige kleine Aufschlüsse (Baumlöcher,
Rübengruben usw.) knüpfen und zudem fast alle zeitlich weiter zurückliegen, kann
diesen Entfernungsangaben keine besondere Bedeutung zugemessen werden. In jüngster
Zeit wurden von R. Unser nur an drei Stellen, auch hier nur in begrenztem Umfang,
Mauern beobachtet; zweimal bei Bauausschachtungen, einmal in der Kanalisation. Über-
schneidungen mit „Wohngruben“ sind dabei nicht vorgekommen. Ebenso fehlen, ent-
sprechend der nur punktförmigen Ertastung von Mauern, Angaben über deren Aus-
dehnung oder über Grundrisse fast ganz. Nur in einem Fall, bei Ausschachtung von
Haus J. Eckert, wird von einem quadratischen Grundriß von etwa 4X4 m und einem
Steinfußboden berichtet. Auf Funde war in diesem wie in allen anderen Fällen von
Mauerfunden nicht geachtet worden, so daß für diese Periode, wenn man überhaupt in
den Mauern eine zweite (jüngere?) Periode zu sehen berechtigt ist, eine Datierung nicht
möglich ist.
II. Gräber.
In neuerer Zeit wurden Gräber nicht beobachtet, dagegen haben die Ermittlungen von
R. Unser ergeben, daß auf zwei westlich des Friedhofs gelegenen Grundstücken früher
Gräber gefunden wurden.
a) Grundstück J. Röckel, etwa 30 m westlich des Friedhofs etwa 1900: ein „Grab-
gewölbe“, darin Skelett mit Sporn, Fundstück verloren. Schon früher sollten auf
diesem Acker Gräber gefunden worden sein.
b) Grundstück J. Hopfauer, etwa 1930 beim Graben eines Rübenlochs: Skelett ohne
Beigaben. Kopf soll gefehlt haben.
Wenngleich diesen fleißig gesammelten Angaben jeweils die letzte entscheidende Sicher-
heit fehlt, so spricht doch neben der atypischen Lage des heutigen Ortes vor allem das
lange Verbleiben der Kirche auf dem westlichen Jagstufer dafür, daß hier die Stelle des
ursprünglichen Heribotesheim und sein Reihengräberfriedhof zu suchen sind. Die
 
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