Deutsches Archäologisches Institut / Römisch-Germanische Kommission [Editor]
Bericht über die Fortschritte der römisch-germanischen Forschung: im Jahre ... — 2.1905

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Voii dem Werke vou Briinnow und Domaszewski, „Provincia Ara-
bia“ erschien der II. Band, der namentlich sehr lehrreiche Kastellpläne bringt ;
dieses Material für unsere Gegend auszunutzen muss einer späteren Gelegenheit
vorbehalten werden.

Endlich sei hier wenigstens mit ein paar Worten auf die Ausgrabungen
hingewiesen, die A. Schulten und C. Koenen auf der Stätte von Numantia
begonnen haben. (Vgl. Scbulten, Numantia, eine topographisch-historische
Untersuchung. Ders., Ausgrabungen in Numantia. Vortrag in d. Sitzung der
Archäol. Gesellschaft in Berlin, Referat: Voss. Zeitung Nr. 122 vom 14. o. 06.)
Die Grabungen haben zur Entdeckung einer iberischen Stadt gefiihrt, die durch
Brand zugrunde gegangen ist. Ob man diese mit dem historischen, 134 v. Ghr.
von Scipio zerstörten Numantia identifizieren darf, wird vor allem von einern
genauen Studium der zahlreichen in der Brandschicht gemachten keramischen
Funde abhängen, die einer eigenartigen, technisch und stilistisch vom östlichen
Mittelmeerkulturkreis stark beeinflussten Gattung angehören. Die griechischen
Vorbilder dieser Keramik gehen, wie auch Schulten zugibt, bis ins VIII.,
höchstens VII. vorchristliche Jahrhundert herab. Ob man annehmen darf, dass
diese Keramik sicli dann, unbeeinflusst vor allem von dem gallischen La-Tène-
Kulturkreis, unverändert bis ins II. vorchristliche Jahrhundert erhalten habe,
muss sorgfältig erwogen werden. Schulten glaubt auch die Reste der Be-
lagerungswerke des Scipio nachweisen zu können. Auch hier kaun man nur
wiinschen, dass die Untersuclmngen in weitestem Umfange und mit aller wissen-
schaftliclien Vorsicht weitergeführt werden. Eiu römisches Lager aus der Zeit
des Polybius — das wäre in der Tat ein Fund!

IV.

Zur römischen Städte- und Ortskunde.

I. Besietlelung der siidlichen Wetterau in vorgeschichtlicher
und römischer Zeit.

Von

Gr. Wolff.

Die römisch-germanische Kommission hatte auf ihrer vorletzten Haupt-
versammlung dem Direktor und dem Referenten eine Summe zur Verfiigung
gestellt, durch welche Vorarbeiten fiir eine in grossem Massstab gehaltene archäo-
logische Fundkarte der sttdlichen Wetterau gefördert werden sollten 1). Mass-

1) Man vergl. die Bemerkungen des Direktors irn I. Jahresbericht (1904) S. 43,
wo auch ein Bericht fiir dieses Jahr in Aussicht gestellt ist.
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